Knochenschallkopfhörer und Radfahren – das ist eigentlich eine Liebesgeschichte. Offene Ohren, Sicherheit im Verkehr, Podcasts auf langen Einheiten. Nur beim Klang hat es bisher immer ein gehapert. Der Shokz OpenRun Pro 2* soll das geändert haben. Mein Urteil nach einem Langzeittest: Ja, stimmt, wenn auch mit Bauart bedingten Grenzen.
Inhalt
Warum Knochenschall und Rad so gut zusammenpassen
Mit klassischen In-Ears auf dem Rad – das No-go. Man hört sich selbst kaum atmen, Autos tauchen lautlos auf, und der LKW, der von hinten überholt, ist akustisch schlicht nicht vorhanden. Kein gutes Gefühl. Selbst der Transparenzmodus meiner Apple AirPods Pro lassen mich nicht guten Gewissens Rad fahren.
Knochenschallkopfhörer funktionieren anders: Der Schall wird nicht durch den Gehörgang geleitet, sondern als Schwingung direkt über das Schläfebein ins Innenohr übertragen. Das Ohr bleibt vollständig frei. Verkehr, Klingeln, Zuruf von hinten – alles kommt ungefiltert an. Das ist kein Kompromiss, das ist das eigentliche Prinzip.
Ich nutze Shokz-Kopfhörer seit vielen Jahren auf Ausfahrten und langen Soloeinheiten – auch nachts, auch bei 200 km am Stück. Situationen, in denen die volle akustische Wahrnehmung keine Option ist, sondern Pflicht. Wer meinen Vergleich von OpenRun und OpenRun Pro aus 2022 gelesen hat, weiß: Ich war schon damals überzeugt vom Konzept. Der Pro 2 macht das Ganze nochmal besser.
Was sich gegenüber dem Vorgänger geändert hat
Shokz hat beim OpenRun Pro 2 das Grundkonzept erweitert: Zum klassischen Knochenschalltreiber, der Mitten und Höhen direkt über den Schläfenknochen sendet, kommt jetzt ein zusätzlicher Luftleitungstreiber vor dem Ohr hinzu. Shokz nennt das DualPitch-Technologie. Das Wesentliche: Der Bass kommt jetzt tatsächlich. Nicht wie bei einem guten In-Ear – das wäre eine andere Produktkategorie – aber so, dass Musik als Musik klingt. Das ist bei vielen Knochenschallkopfhörern von Shokz und der Konkurrenz der strukturelle Schwachpunkt, und der ist beim OpenRun Pro 2 weg.
Dazu hat Shokz die Vibrationen erheblich reduziert, die beim älteren Modellen bei hohen Lautstärken manchmal störend am Schädelknochen spürbar wurden. Kleines Detail, spürbare Verbesserung.
Spezifikationen im Überblick
| Merkmal | Open Run Pro 2 | Open Run Pro |
|---|---|---|
| Bluetooth | 5.3 | 5.1 |
| Akkulaufzeit | 12 Stunden | 10 Stunden |
| Schnellladen | 5 min → 2,5 h | 5 min → 1,5 h |
| Ladeanschluss | USB-C | Proprietär |
| Schutzklasse | IP55 | IP55 |
| Gewicht | 31 g selbst gewogen | 28 g selbst gewogen |
| Multipoint | Ja (2 Geräte) | Nein |
| Preis | 199 € (UVP) | – |
Der Ladeanschluss verdient einen eigenen Satz: Dank EU-Verordnung lädt der Pro2 über USB-C statt proprietärem Stecker. Wer mal auf einem Trainingslager oder einer Radreise das Spezialkabel vergessen hat – ich fuhr 2024 zwei Wochen auf Mallorca ohne – weiß, warum das kein Randthema ist. Ein USB-C-Kabel hat man immer dabei. Beim OpenRun Pro war das ein Dauerthema.
IP55 bedeutet: Schweiß, Regen, Spritzwasser – kein Problem. Für Sport im Freien mehr als ausreichend, dazu gleich mehr.



Tragekomfort: Mehrstündige Ausfahrten ohne Druckpunkte
Der Nackenbügel aus Nickel-Titan-Legierung behält seine Form, federt aber genug mit, dass er auch auf schlechtem Belag nicht nervt. Shokz gibt gegenüber dem Vorgänger 16 Prozent weniger Klemmkraft bei erweiterter Kontaktfläche an – in der Praxis: kein Druckpunkt an den Schläfen, auch nicht nach mehreren Stunden auf dem Rad.
Ein praktischer Bonus für kalte Ausfahrten: Der Open RunPro 2* funktioniert gut in Kombination mit Windfree*-Ohrenschützern. Die nehmen das Windgeräusch weg, das bei höheren Geschwindigkeiten sonst alles überlagert – Podcasts und Musik kommen dann auch bei flottem Tempo klar an.
Klang im Radsport-Alltag
Podcasts und Hörbücher – mein persönlicher Hauptanwendungsfall
Ich höre beim Radfahren meistens Podcasts, seltener Musik. Das hat einen einfachen Grund: Sprache lenkt weniger vom Umgebungsgeräusch ab als Musik. Mit einem Beat im Ohr zieht man sich schneller rein, die Aufmerksamkeit nach außen sinkt. Bei Sprache bleibt man präsenter. Für Podcasts und Hörbücher ist der Open RunPro 2* schlicht ideal – Stimmen kommen klar, direkt, gut verständlich, auch bei moderatem Fahrtwind. Das war beim Open RunPro genauso, der Pro 2 bestätigt das.
Navigation
Meine Navigationsansagen kommen vom Wahoo ELEMNT ACE über seinen eingebauten Lautsprecher – die höre ich dann trotz Shokz gut. Das funktioniert einwandfrei. Falls ich ausnahmsweise direkt mit der Komoot-App auf dem Handy navigiere, kommen die Ansagen direkt auf die Kopfhörer – auch das klappt zuverlässig.
Musik
Deutlich besser als beim Vorgänger. Bass ist wahrnehmbar, Mitten klarer Höhen detailliert. Wer bisher dachte, Knochenschall tauge nicht wirklich für Musik, sollte den Pro 2 mal gegenhören.
Telefon und Teams-Calls
Zwei KI-gestützte Mikrofone mit Rauschunterdrückung. Bei ruhigem Tempo funktioniert das gut. Bei höheren Geschwindigkeiten verstehen Gesprächspartner einen kaum – aber das ist auch nicht die Situation, in der man telefoniert. Man nimmt sowieso Tempo raus, bevor man rangeht.
Und dann ist da noch das Szenario, das ich täglich nutze: Auf dem Weg ins Büro läuft der Podcast über das iPhone. Ankunft im Büro – der Shokz OpenRun Pro 2 verbindet sich automatisch per Multipoint mit dem Windows-11-Notebook und ist ohne einen einzigen manuellen Schritt für Teams-Konferenzen bereit. Ein Kopfhörer für alles, der nahtlos zwischen Rad und Schreibtisch wechselt. Das war mit dem Vorgänger ohne Multipoint so nicht möglich.

Rechtslage in Deutschland: Was beim Radfahren gilt
Das ist die Frage, die fast jeder stellt – und die fast jeder falsch beantwortet. Kurz: Kopfhörer beim Radfahren sind in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Es gibt kein Verbot.
Die rechtliche Grundlage ist § 23 Abs. 1 StVO: Das Gehör darf beim Führen eines Fahrzeugs nicht beeinträchtigt sein. Das Oberlandesgericht Köln hat bereits 1987 klargestellt, dass Kopfhörer erst dann problematisch werden, wenn die Lautstärke zu einer „mehr als unerheblichen Gehörbeeinträchtigung“ führt. Die Hürde liegt also beim tatsächlichen Hörvermögen, nicht beim Kopfhörer selbst.
Der strukturelle Vorteil von Knochenschallkopfhörern ist hier offensichtlich: Der Gehörgang bleibt vollständig frei. Umgebungsgeräusche kommen direkt ans Ohr – ohne Transparenz-Modus, ohne Außenmikrofon, baulich und nicht abschaltbar. Mit moderater Lautstärke fährt man rechtlich entspannt – und das ist mit dem OpenRun Pro 2 im Alltag ganz ohne Verrenkungen möglich.
Bußgeld droht erst, wenn man auf Ansprache der Polizei nicht reagiert: 15 Euro. Wichtiger ist das Unfallrecht: Wenn nachgewiesen wird, dass zu laute Musik die Wahrnehmung beeinträchtigt hat, kann das zu einer Mithaftung von bis zu 50 Prozent führen. Das gilt für alle Kopfhörer – aber das Risiko, diese Grenze mit Knochenschall zu erreichen, ist strukturell niedriger als mit jedem anderen Kopfhörer-Typ.
Vergleich zum Vorgänger: Lohnt das Upgrade?
Der Open RunPro war gut – besser als die Knochenschall-Konkurrenz, und ich habe ihn primär für Podcasts und Hörbücher genutzt, genau wie jetzt den Pro 2*. Aber der Pro 2 ist in allen relevanten Punkten besser: Klang, Ladeanschluss, Akkulaufzeit, Multipoint.
Wer den OpenRun Pro hauptsächlich für Navigation und Podcasts nutzt: Das Upgrade ist weniger dringend. Für alle anderen – und besonders für diejenigen, die wie ich einen einzigen Kopfhörer für Rad und Büro wollen – ist der Sprung größer als eine Versionsnummer vermuten lässt.
Was man wissen sollte
IP55 – und die kleine Verwirrung dabei: Beide Pro-Modelle haben IP55 – das ist korrekt, auch wenn es auf den ersten Blick überraschend klingt. Denn das günstigere OpenRun (ohne Pro) hat tatsächlich IP67 und lässt sich unter fließendem Wasser abspülen. Der Grund liegt in der konstruktiv aufwändigeren Architektur der Pro-Modelle mit ihren zusätzlichen Akustik-Öffnungen, die eine vollständige Abdichtung schwieriger machen. Mehr Technik, weniger Wasserschutz – das ist die Kehrseite. Für den Sportalltag mit Schweiß und Regen ist IP55 absolut ausreichend. Wer allerdings plant, die Kopfhörer unter der Dusche zu nutzen oder bei heftigem Regen ohne Schutz zu fahren: besser zum günstigeren OpenRun greifen.
Preis: 199 Euro UVP. Shokz ist Marktführer in der Kategorie und preist das entsprechend. Günstigere Alternativen gibt es – die bezahlen meist mit schlechterem Sitz, schlechteren Klang, weniger Laufzeit und mehr Vibration.
Fazit: Mein Kopfhörer der Wahl
Der Open RunPro 2* ist für mich das überzeugendste Argument für Knochenschallkopfhörer, das Shokz bisher gebaut hat. Er klingt gut genug, dass ich ihn freiwillig auch abseits des Rades trage. Er hält lange genug für die langen Ausfahrten, die ich fahre. Er wechselt ohne Aufwand zwischen iPhone und Firmenlaptop. Und mit Windfree*-Ohrenschützern kombiniert macht er auch kalte und windige Ausfahrten zum Vergnügen.
Für Radfahrer und andere Ausdauersportler ist er meiner Meinung nach das Produkt der Wahl in dieser Kategorie – und das ohne Einschränkung. Wer einen einzigen Kopfhörer sucht, der auf dem Rad, im Training und im Büro gleichermaßen funktioniert: Das hier ist er.
Preis: 199 € UVP
Farben: Schwarz, Orange, Hellgrau/Silber
Varianten: Standard / Mini
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