Testbericht Laufradsatz | Bockstein Bicycles × Aikon
Ich fahre nun die dritte Saison den DT Swiss ERC 1100 Dicut 45 als Wettkampflaufradsatz. Ein exzellentes Produkt, keine Frage. Aber als ich Xaver von Treyer, den Gründer von Bockstein Bikes und Aikon aus Berlin im Video-/Podcast hatte, wurde ich neugierig auf die Aikon W750 Pro, also die mittelpreisigen in seinem Laufradsortiment. Versprechen: 1.250 Gramm Systemgewicht bei 50 mm Felgenhöhe. Klingt fast zu gut. Also habe ich die Waage rausgeholt.
Inhalt
Was steckt drin?
Der Aikon W750 Pro ist ein handgebauter Laufradsatz aus der Berliner Werkstatt von Xaver – aufgebaut mit Komponenten, bei denen meines Erachtens nicht am falschen Ende gespart wird.
Die Naben kommen von Carbon-Ti aus Italien: X-Hub SP 24 CL, vorne und hinten, mit Straight-Pull-Speichenaufnahme. Carbon-Ti fräst die Nabenkörper in Europa in-house – das ist kein OEM-Produkt aus dem Regal, sondern echte Handwerksarbeit. Die Speichen sind Alpina Raggi Hyperlite, blattförmig, 24 Stück je Laufrad, im 2-fach Kreuz eingespeicht.
Die Felge der Aikon W750 Pro bringt einige Besonderheiten mit:
T3 – Tapeless Tubeless Technology: geschlossenes Felgenbett, kein Felgenband nötig. Eine der häufigsten Problemquellen beim Tubeless-Betrieb entfällt damit komplett (wobei ich TPU nutze).
Free Coating Manufacturing: die Felge kommt direkt aus der Form, ohne zusätzliche Lackierung. Die Logos sind gelasert, keine Aufkleber.
Wellenprofil: die wellenförmige Felgenstruktur soll die Seitenwindempfindlichkeit reduzieren, ohne aerodynamische Vorteile zu opfern. Optisch ist die Wellenform ein Hingucker – und wie ich noch berichten werde, hält sie auch in der Praxis, was sie verspricht.
Preis des Laufradsatzes: 1.495 Euro.



Die Waage lügt nicht
Ich wäre nicht ich, wenn ich Herstellerangaben einfach so übernehmen würde. Also: Waage raus.
| Gewichte | Vorderrad | Hinterrad | Gesamt |
|---|---|---|---|
| Herstellerangabe | – | – | 1.250 g |
| Selbst gewogen | 572 g | 675 g | 1.247 g |
Drei Gramm unter der Herstellerangabe. Das Versprechen wird nicht nur gehalten – es wird leicht unterboten. In einer Branche, in der Gewichtsangaben gerne großzügig gerundet werden, ist das eine Ansage.
Zum Vergleich: Der DT Swiss ERC 1100 Dicut 45 kommt laut Hersteller auf 1.465 Gramm. Das sind 218 Gramm mehr – nackt, ohne jede Anbaukomponente.


Komplett aufgebaut: unter 1.000 Gramm am Vorderrad
Für den Praxisvergleich habe ich beide Laufradsätze identisch bestückt:
- Bremsscheiben: Shimano RT-CL900, 160 mm, gewogen: 111 g je Scheibe
- Lockringe: Carbon-Ti Centerlock, gewogen: 8 g je Stück
- Schläuche: SILCA Ultimate TPU (700 x 24–43, 50 mm Ventil), gewogen: 41–42 g je Schlauch
- Bereifung: René Herse Stampede Pass Extralight, 32 mm, gewogen: 251–257 g je Reifen
- Kassette: Shimano Dura-Ace 12-fach inkl. Lockring, gewogen: 254 g
| DT Swiss ERC 1100 DICUT 45 | Aikon W750 Pro | Gewichtseinsparung | |
|---|---|---|---|
| Vorderrad komplett mit Bremsscheibe, Lockring, SILCA TPU Schlauch und René Herse Stampede Pass Extralight 32 mm | 1.048 g | 997 g | -51 g |
| Hinterrad komplett mit Bremsscheibe nebst Lockring, Kassette, SILCA TPU Schlauch und René Herse Stampede Pass Extralight 32 mm | 1.424 g | 1.350 g | -74 g |
| Gesamt | 2.472 g | 2.347 g | -125 g |
Das Vorderrad bleibt unter der 1-Kilogramm-Marke. Für ein Laufrad mit 50 mm Felgenhöhe mit 32er Bereifung ist das bemerkenswert.




Felgengeometrie: hier liegt der eigentliche Trumpf
Gewicht ist eine Sache. Die Felgengeometrie ist eine andere – und hier wird es aerodynamisch richtig interessant.
| DT Swiss ERC 1100 Dicut 45 | Aikon W750 Pro | |
|---|---|---|
| Innenweite (Maulweite) | 22,2 mm | 25 mm |
| Felgenaußenbreite | 29 mm | 33,6 mm |
| Felgenhöhe | 45 mm | 46-50 mm |
2,8 mm mehr Innenweite, 4,6 mm mehr Außenbreite. Das klingt nach Kleinkram – ist es aber nicht.
Der Reifen macht den Unterschied sichtbar
Ich vergleiche auf beiden Laufradsätzen den Reifen, den ich auf den DT Swiss aufgezogen hatte: René Herse Stampede Pass Extralight, 32 mm, bei identischem Luftdruck von 3,4 bar gemessen.
| DT Swiss | Aikon | |
|---|---|---|
| Reifen aufgezogen | 33 mm | 35 mm |
| Felge außen | 29 mm | 33,6 mm |
| Überstand Reifen über Felge | +4 mm | +1,4 mm |
Das ist das sogenannte Lightbulb-Prinzip: Aerodynamisch optimal ist ein Übergang, bei dem die Felge den Reifen bündig aufnimmt oder sogar geringfügig überragt. Beim DT Swiss steht der Reifen 4 mm über – die Luft reißt an der Schulter ab. Beim Aikon sind es 1,4 mm – also relativ bündig.

Weniger Gewicht und bessere Aerodynamik. Normalerweise ein Zielkonflikt. Hier nicht.
Ein Wort zu den Schläuchen
TPU ist mittlerweile Standard bei ambitionierten Fahrern. Ich nutze Eclipse-Schläuche – die deutschen Pioniere des TPU-Schlauchs, vor Tubolito auf dem Markt. Die Besonderheit: Eclipse verbaut seit jeher Aluminiumventile ohne Kunststoffsockel – der Ventilfuß ist direkt mit dem Schlauch verbunden, ohne Verklebung.
Warum das wichtig ist: Ich habe persönlich erlebt, wie ein Schwalbe Aerothan an einer Abfahrt innerhalb von Sekunden Luft verlor – die Verklebung zwischen Ventilfuß und TPU-Körper hatte sich teilweise gelöst. Am Vorderrad, in der Abfahrt. Das ist kein Kleinkram.
Für diesen Test kamen SILCA Ultimate TPU Tubes zum Einsatz – Testprodukte, die mir der deutsche Importeur Hartje zur Verfügung gestellt hat. Gefertigt werden sie ebenfalls von Eclipse. Gemessen: 41–42 g je Schlauch, Größe 700 x 24–43 mm, 50 mm Aluminiumventil. Die breite Größenabdeckung macht sie zur richtigen Wahl für alle, die verschiedene Reifenbreiten/Laufradsätze auf demselben Fahrrad fahren.
Für die zweite Reifenkombination – den Pirelli P Zero Race TLR SL-R 30 mm – habe ich auf Eclipse ECRD3560 gewechselt: 700c x 23–35 mm, 60 mm Ventil, gemessen 37–38 g. 4–5 g leichter je Schlauch, passgenauer für die schmalere Bereifung.
Kleines Schlaubergerwissen am Rande: Eclipse bezeichnet das Road-Modell mit „700C“ und das Gravel-Modell mit „622 x“ – technisch dasselbe Maß, historisch unterschiedliche Nomenklatur. 700c ist die alte französische Bezeichnung, 622 mm die moderne ISO-Norm.
Wer Eclipse-Schläuche kaufen möchte: In den Eclipse-Newsletter eintragen. Rabattaktionen von 20 Prozent kommen regelmäßig – zu Ostern, Muttertag, Pfingsten …
Zweite Reifenkombination: Pirelli P Zero Race TLR SL-R
Neben dem René Herse Stampede Pass habe ich die Aikon W750 Pro mit dem brandneuen Pirelli P Zero Race TLR SL-R in 30 mm getestet – einem der spannendsten Rennradreifen des Jahres 2026. Pirelli hat ihn Ende März 2026 vorgestellt, mit dem klaren Ziel: maximale Geschwindigkeit auf der Straße.
Das Herzstück ist die PAAS-Technologie (Pirelli Advanced Aerodynamic System): Der Reifen verändert durch sein Profil die Interaktion mit der Felge so, dass der Luftstrom länger an der Reifenflanke anliegt, bevor er abreißt. Das reduziert den Luftwiderstand – laut Pirelli im Schnitt 5 Watt, in bestimmten Bedingungen bis zu 15 Watt. Entwickelt wurde er gemeinsam mit WorldTour-Teams wie Alpecin-Premier Tech.
Die Aikon W750 Pro ist für diesen Reifen wie gemacht: Pirelli empfiehlt 22–25 mm Innenweite – die Aikon liegt mit 25 mm exakt am oberen Designlimit.
| Druck | Reifenbreite aufgezogen | Felgenüberstand | |
|---|---|---|---|
| Vorderrad | 3,5 bar | 32,6 mm | -1 mm |
| Hinterrad | 3,5 bar | 32,6 mm | -1 mm |
Der Reifen bleibt schmaler als die Felge – die Aikon überragt den Pirelli leicht. Aerodynamisch noch einen Schritt weiter als mit dem Stampede Pass.

Achtung: Pirelli empfiehlt laut eigenem Druckrechner bei meinem Systemgewicht von 77 kg 3,9 bar vorne und 4,2 bar hinten. Mein persönlicher Sweet Spot liegt mittlerweile bei 3,5 bar auf beiden Rädern. Gefunden durch die Methode, die ich bei allen Reifen anwende: von höherem Druck schrittweise nach unten, bis der Reifen beim Fahren nicht mehr „gut“ anfühlt. Zu wenig Druck äußert sich in einem unangenehmen Walken – das ist die Grenze, die man spürt. Bei 3,5 bar liegt der 30er Pirelli auf den Aikon so supple wie der René Herse, ohne ein schwammiges Fahrgefühl zu erzeugen..
Gewicht Pirelli P Zero Race TLR SL-R 30 mm: gemessen 304 g (Herstellerangabe: 295 g). Vorderrad komplett mit Eclipse ECRD3560: 1.032 g.
Fahreindruck nach 500 km incl. Vätternrundan 2026
Die Aikon W750 Pro fahren sich agil. Die Beschleunigung ist flink und direkt – wobei ich bisher überwiegend flach unterwegs war. Der Gewichtsvorteil von 125 Gramm gegenüber dem DT Swiss wird sich am Berg anders zeigen; das steht noch aus.
Was mich stärker beeindruckt als die Beschleunigung: die Steifigkeit. Bei harten Sprints spüre ich keine Verwindungen, keine Energie, die in Flexion versickert statt in Vortrieb zu münden. Der Laufradsatz gibt gefühlt zurück, was man reinsteckt.
Der Komfort der neuen Pirelli auf den Aikon-Laufrädern ist subjektiv besser als bei den DT Swiss mit den sehr guten René Herse reifen.. „Supple“ ist das treffende Wort – was bei einem Reifen, der in dieser Disziplin ohnehin Benchmark ist, nicht selbstverständlich ist. Die breitere Maulweite verändert das Reifenprofil leicht, der Reifen kann sich anders verformen. Das Ergebnis ist ein insgesamt ruhigeres Fahrgefühl.
Das überzeugendste Argument lieferte der Wind. Seitenwind und LKW-Sog sind mit den Aikon spürbar weniger ein Problem als mit dem DT Swiss. Das ist keine Placebo-Wahrnehmung – LKW-Sog ist eine unmittelbare physikalische Rückmeldung, die man entweder spürt oder nicht. Die erste Woche in Schweden war dafür ein guter Prüfstand.
Das Wellenprofil der Felge macht sich also bezahlt. Optisch ohnehin – aber dass es auch in der Praxis funktioniert, ist das eigentliche Ergebnis.
Und noch ein Detail, das nichts mit Performance zu tun hat, aber trotzdem zählt: Die silberfarbenen Carbon-Ti-Naben (auch andere Farben möglich) geben dem Laufradsatz optisch das gewisse Extra. Gut, dass ich mich gegen Schwarz entschieden hatte.

Fazit
Der Aikon W750 Pro ist kein Laufradsatz, der auf dem Papier glänzt und auf der Straße enttäuscht. Im Gegenteil.
125 Gramm leichter als mein bisheriger Wettkampflaufradsatz. Aerodynamisch besser aufgestellt durch die breitere Felgengeometrie. Seitenwindstabiler im Fahrbetrieb. Steif genug für Sprints. Und kombiniert mit dem Pirelli P Zero Race TLR SL-R – einem Reifen, für dessen optimalen Einsatzbereich die 25 mm Maulweite wie gemacht scheint – mein Laufradsatz für die Vätternrundan 2026.
Am meisten überzeugt hat mich als leichten Fahrer dabei die Windanfälligkeit – oder besser: das Fehlen davon. Überholende LKWs, böiger Seitenwind über freie Felder, 315 Kilometer Vätternrundan mit reichlich Gelegenheit dazu: Die Wellenform der Felge ist kein optisches Gimmick, sondern hält genau das, was sie verspricht. Kaum Gezerre am Lenker, kein nervöses Nachkorrigieren – das macht auf so einer Distanz einen spürbaren Unterschied für die Konzentration.
1.495 Euro für einen handgebauten Carbon-Laufradsatz mit Carbon-Ti-Naben. Im Segment kompetitiv. Für mich: Sehr empfehlenswert.
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Hi Claude,
Danke für den Testbericht. Hab ich’s überlesen? Weißt du was zum zulässigen Gesamtsystem Gewicht (Rad+Anbau+Fahrer/in)?
Grüße
Ja. Sollte ich ergänzen: max. Systemgewicht 135kg