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Kommunalwahl Dietzenbach 2026 – Thema Rad- und Nahverkehr

von Claude
20. Februar 2026
in Cycling Blog, Urbane Mobilität
Lesevergnügen: 25 Minuten
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Kommunalwahl Dietzenbach 2026

Von der L3001-Blockade zur Radverkehrs-Stadt: Welche Partei hält, was sie verspricht?

Der ADFC Dietzenbach hat alle Parteien befragt. Ich analysiere die Antworten – und werfe einen Blick zurück auf 7 Jahre Dietzenbacher Verkehrspolitik, die ich begleiten durfte.

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Natürlich ist auch das, wie alles was ich zur Kommunalpolitik in Dietzenbach auf dietzenbach-watch.de veröffentliche, die Meinungsäußerung aus Bürgersicht. Nichts mehr und nichts weniger.

Dietzenbach ist besser als gedacht

Im August 2025 schrieb ich hier auf CyclingClaude einen Artikel mit einem überraschenden Ergebnis: Dietzenbach ist besser als die Facebook-Stänkerer behaupten. Eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung hatte gezeigt: Dietzenbach ist eine 7-Minuten-Stadt. Das bedeutet, die wichtigsten Alltagsziele sind durchschnittlich in nur 7 Minuten zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar. Mit 78,5 von 100 Punkten im „15-Minuten-Stadt-Index“ liegt Dietzenbach nur knapp hinter Frankfurt und München.

Die L3001, einst berüchtigt als zweispurige Rennstrecke für Kfz mit aggressivem Verhalten gegenüber Radfahrenden, funktioniert heute – trotz aller Unkenrufe von damals. Der Verkehr fließt besser, Radfahrende haben sichere Infrastruktur, Fußgänger freie Gehwege. Und ich persönlich, der 2019 auf dieser Straße von einem Auto schwer verletzt wurde, fahre heute wieder dort – und fühle mich sicherer als je zuvor.

Aber die entscheidende Frage vor der Kommunalwahl am 15. März 2026 lautet: Wer sorgt dafür, dass es so weitergeht?

Der ADFC Dietzenbach stellt die richtigen Fragen

Der ADFC alle in Dietzenbach antretenden Parteien und Wählervereinigungen mit 8 konkreten Fragen zum Radverkehr konfrontiert. Diese „Wahlprüfsteine“ sind eine objektive Messlatte dafür, wie ernst es den Parteien mit Radverkehrspolitik wirklich ist.

Die Fragen deckten alle wichtigen Bereiche ab:

  1. Fahrrad als Problemlöser – Soll der Radverkehr weiterhin besonders gefördert werden?
  2. Nahmobilitätskonzept – Soll das 2024 beschlossene Konzept zügig umgesetzt werden?
  3. Vision Zero – Soll die Unversehrtheit von Menschen wichtiger sein als Verkehrsfluss?
  4. Fahrradstraße Darmstädter Straße – Soll diese sichere Alternative zur Lindenstraße kommen?
  5. Freie Fußwege – Sollen Fußwege systematisch von parkenden Autos befreit werden?
  6. Kindermobilität – Sollen Schulstraßen und Bicibus unterstützt werden?
  7. Weg zum Schwimmbad – Soll der Gehweg zum Waldschwimmbad für Rad- und Fußverkehr ertüchtigt werden?
  8. 30 Euro pro Einwohner – Sollen mindestens 30 Euro pro Einwohner und Jahr in Radverkehr investiert werden?

Exkurs: Woher kommen die 30 Euro pro Einwohner?

Die 30-Euro-Forderung stammt aus dem Nationalen Radverkehrsplan 3.0 der Bundesregierung. Sie ist kein willkürlicher Wert, sondern eine fundierte Empfehlung auf Basis internationaler Vergleiche:

Die Aufteilung:
– 10 Euro vom Bund
– 10 Euro vom Land
– 10 Euro von der Kommune
– = 30 Euro pro Einwohner und Jahr

Vergleich mit anderen Ländern:
– Niederlande: 35 Euro pro Einwohner/Jahr → Radverkehrsanteil 30%
– Utrecht: 132 Euro pro Einwohner/Jahr → Top-Radverkehrsstadt
– Oslo: 70 Euro pro Einwohner/Jahr
– Deutschland (aktuell): 4-5 Euro vom Bund → Radverkehrsanteil 11%

Für Dietzenbach bedeutet das:
– 36.857 Einwohner (Stand 30.06.2025)
– 30 Euro pro Einwohner = 1,1 Millionen Euro pro Jahr

Warum ist das wichtig?

Studien zeigen: Je mehr in Radinfrastruktur investiert wird, desto sicherer wird Radfahren. In Kopenhagen und Amsterdam liegt das Unfallrisiko bei 1 Unfall pro 1 Million Fahrten. In deutschen Städten ist es zehnmal höher. Der Grund: gute Infrastruktur → mehr Radfahrende → Autofahrer gewöhnen sich daran → „Safety in Numbers“-Effekt.

Die 30 Euro sind also keine Luxusforderung, sondern eine evidenzbasierte Investition in Sicherheit, Klimaschutz und Lebensqualität.

Das Ergebnis ist aufschlussreich – und in Teilen überraschend.


Die Ergebnisse im Überblick

ParteiADFC 8/830 €/EWWahlprogrammTransparenz*Bewertung
Grüne✅ 8/8⚠️ Mit Vorbehalt+++++ Sehr detailliert❌ Nicht online🟢🟢 Herausragend
SPD✅ 8/8✅ Ja+++ Konkret❌ Nicht online🟢 Sehr gut
Linke✅ 8/8✅ Ja❌ Nichts im Programm❌ Nicht online🟡 Eingeschränkt
CDU✅ 7/8❌ Nein+ Vorhanden✅ Online!🟡 Eingeschränkt
FW-UDS⚠️ 5/8 + Enthaltungen❌ Nein❌ Nichts im Programm❌ Nicht online🔴 Nicht empfehlenswert
FDP⚠️ 6/8❌ Nein+ Ein Halbsatz❌ Nicht online🔴 Nicht empfehlenswert

*Veröffentlichung der ADFC-Wahlprüfsteine 2026 auf der jeweiligen Website der Partei/Wählergemeinschaft
Quellen: ADFC-Dietzenbach-Wahlprüfsteine 2026, Wahlprogramme der Parteien


2019 vs. 2026: Eine Stadt lernt dazu

Um die aktuellen Positionen einzuordnen, lohnt sich ein Rückblick auf das Jahr 2019. Damals tobte in Dietzenbach ein heftiger Streit um den Umbau der L3001 von vier auf zwei Fahrspuren mit Radstreifen.

2019: Die CDU-Blockade mit falschen Argumenten

Die CDU bekämpfte den Rückbau mit Behauptungen, die sich als nachweislich falsch herausstellten. In einer Pressemitteilung vom August 2019 warnte die Partei vor einer „Herabstufung des Verkehrsflusses auf ‚C'“ und prophezeite „Staus zu Stoßzeiten, Zunahme der Schadstoffemission und Lärmbelästigung“.

Die Fakten aus dem Verkehrskonzept vom Dezember 2018 waren jedoch eindeutig:

  • Die Straße hatte vierspurig eine Kapazität von Stufe A (für 1200 Kfz/h)
  • Tatsächlich fuhren nur 415 Kfz/h – die Straße war überdimensioniert
  • Die Ampeln (Knoten) hatten bereits lediglich Kapazitätsstufe C – egal wie viele Fahrspuren
  • Nach dem Umbau: Verkehrsfluss B-C – also gleich gut oder besser!

Ich habe damals ausführlich darüber berichtet:
– Friday for Dietzenbach’s Future (30.08.2019)
– Dietzenbach ist noch nicht verloren (15.09.2019)

In der Stadtverordnetenversammlung am 30.08.2019 kam es zu einer denkwürdigen Szene: Als Bürger stellte ich dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Gieseler die Frage:

„Wenn die Verkehrsknoten eine Durchlasskapazität von C haben, und die zugehörige Straße hat A, wie hoch ist dann die Kapazität insgesamt? A oder C?“

Herr Gieseler konnte die Frage nicht eindeutig beantworten und stammelte „es ist A, es ist A“. Der damalige Bürgermeister Rogg schüttelte den Kopf und korrigierte: „Nein, die Antwort ist C“. Ergebnis: Rogg nahm die CDU-Anträge mit der Begründung „Verdauungs- und Verständnisprobleme“ von der Tagesordnung.

2021 bis März 2024: Rot-Rot-Grün setzt die L3001 um

Die 2021 neu gewählte Stadtverordnetenversammlung startete mit einer Koalition aus SPD, Grünen und Linke. Als Mehrheit setzte den Umbau zwischen 2021 und 2024 um. Das Ergebnis:

  • ✅ Besserer Verkehrsfluss (bestätigt durch Messungen und Alltagserfahrung)
  • ✅ Sichere Radinfrastruktur auf 1,1 km „Bike Lane“
  • ✅ Freie Gehwege für Fußgänger
  • ✅ Positive Veränderungen im ADFC-Fahrradklima-Test 2024

Der ADFC hat mich als Radverkehrs-Experten zu Dietzenbach interviewt: Der Weg ist das Ziel – schnell besser Radfahren

„Vor sechs Jahren wurde [ich] auf der L3001 von einem abbiegenden Auto übersehen und schwer verletzt. Heute fährt [ich] wieder regelmäßig dort und fühlt [mich] sicherer. ‚An der Unfallstelle gilt inzwischen Tempo 30, was die Situation deutlich entspannt‘.“

2026: Hat die CDU dazugelernt?

Hier wird es interessant: Ja, die CDU hat dazugelernt!

In den ADFC-Wahlprüfsteinen 2026 stimmt die CDU 7 von 8 Fragen zu – inklusive dieser bemerkenswerten Aussage zum Nahmobilitätskonzept:

„Das Nahmobilitätskonzept wurde in einem breiten Beteiligungsprozess erarbeitet und von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Wir stehen zu diesem Beschluss.„

Quelle: CDU Dietzenbach ADFC-Wahlprüfsteine (einzige Partei mit öffentlichen Antworten!)

Das ist ein massiver Fortschritt gegenüber 2019. Die CDU blockiert nicht mehr, sondern trägt den Radverkehrsausbau mit. Aber: Sie ist auch kein Motor. Die entscheidende Ablehnung bleibt bei Frage 8: Keine verbindlichen Budgets (30 €/Einwohner abgelehnt).

Die Parteien im Detail

🟢🟢 Platz 1: GRÜNE – Die Radverkehrs-Champions

ADFC-Ergebnis: 8/8 Zustimmungen (mit Haushaltsvorbehalt bei Frage 8)

Wahlprogramm-Highlights:

Die Grünen haben das umfangreichste und visionärste Radverkehrs-Programm aller Parteien. Im Kapitel „Stadtentwicklung und Mobilität“ finden sich 15+ konkrete Maßnahmen:

  • Schnellradwege zu allen Städten in der Umgebung (Darmstadt, Seligenstadt, Offenbach, Frankfurt)
  • Ausbau der Tangente parallel zur S-Bahn-Strecke zu durchgehendem, vollwertig beleuchtetem Radweg
  • Trennung von Fuß- und Radwegen (endlich!)
  • …

Quelle: Grünes Wahlprogramm 2026-2031

Besonders stark: Die Grünen haben keine Auto-Vorbehalte wie „Verkehrsfluss“ oder „Augenmaß“ in ihren Antworten. Sie stehen klar zur Vision Zero: Menschenleben wichtiger als Autoverkehrsfluss.

Historische Bilanz: Die Grünen waren Teil der Rot-Rot-Grünen Koalition, die die L3001 erfolgreich umgesetzt hat.

Generell denken die Grünen das Thema Nahverkehr am tiefsten. Für Radfahrende, die maximalen Radverkehrsausbau wollen, sind die Grünen die erste Wahl. Visionär, detailliert, glaubwürdig.

🟢 Platz 2: SPD – Der pragmatische Champion, m.E. mit Koalitionsrisiko

ADFC-Ergebnis: 8/8 Zustimmungen – inklusive 30 €/Einwohner!

Wahlprogramm-Highlights:

  • Ausbau sicherer Radwege, z.B. entlang der L3001 und zu Raddirektverbindungen Richtung Frankfurt und Flughafen
  • FRM 9 (Radschnellweg) wird prominent erwähnt
  • „Fußgängerinnen, Radfahrende, ÖPNV-Nutzerinnen und Autofahrende dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“

Quelle: SPD Wahlprogramm Kommunalwahl 2026

Stärken:

  • ✅ 100% ADFC-Zustimmung (einzige Partei mit vollem „Ja“ zu 30 €/Einwohner)
  • ✅ Bürgermeister Dr. Dieter Lang ist ausgesprochener Radverkehrs-Befürworter
  • ✅ Hat in der Koalition L3001 erfolgreich umgesetzt (2021-2024 in Rot-Rot-Grün)

Schwächen:

  • ⚠️ Weniger detailliertes Programm als Grüne
  • ⚠️ Koalitionsrisiko

Das Koalitions-Risiko:

Die SPD spricht seit 2024 von „wechselnden Mehrheiten“, nachdem Die Linke sich aus der Koalition zurückzog (wegen gefühlter Marginalisierung). Andere Fraktionen, allen voran Die Linke, nehmen dies als faktische SPD-CDU-Zusammenarbeit wahr.

Mögliche Koalitions-Szenarien nach der Wahl:

  • 🟢 BESTE Option: Rot-Rot-Grün (SPD-Grüne-Linke) – Alle drei mit 100% ADFC-Zustimmung
  • 🟡 AKZEPTABEL: SPD-Grüne (Zweierbündnis) – Beide stark pro-Radverkehr – aber als Mehrheit sehr unwahrscheinlich
  • 🟠 SCHWIERIG: SPD-CDU – CDU lehnt Budgets ab, SPD muss Kompromisse eingehen
  • 🔴 KATASTROPHAL: SPD-CDU-FDP – FDP: „Luxusbedürfnis“
  • 🔴 SEHR SCHLECHT: SPD-CDU-FW-UDS – Haushalts-Dogma dominiert

Die SPD hat das beste praktische Ergebnis (L3001 umgesetzt, Dr. Lang als Rad-Champion). Aber: Nur wenn sie Rot-Rot-Grün oder Rot-Grün bildet! SPD-CDU-FDP wäre vermutlich eine Katastrophe für den Radverkehr.

Strategische Empfehlung: SPD wählen ist gut – aber Grüne und Linke müssen stark genug sein, um SPD-CDU zu verhindern!

🟡 Platz 3: DIE LINKE – Das große Rätsel

ADFC-Ergebnis: 8/8 Zustimmungen – inklusive 30 €/Einwohner!

Wahlprogramm 2026: ❌ KEIN EINZIGES WORT zu Radverkehr, Mobilität oder Verkehr

Das ist das große Paradox: Die Linke stimmt allen ADFC-Fragen zu, hat aber nichts zum Radverkehr im Wahlprogramm. Das gesamte Programm umfasst nur 8 Themen (Soziales, Wohnen, Klimaschutz, Schwimmbad, Bildung, Inklusion, Demokratie, Antifaschismus) – aber keine Mobilität.

Historische Bilanz: Die Linke war Teil der Rot-Rot-Grünen Koalition, die die L3001 umgesetzt hat. Sie hat den Erfolg mitgetragen, aber sich 2024 wegen Marginalisierung zurückgezogen.

Mögliche Erklärungen:

  1. Linke als Junior-Partner in Rot-Rot-Grün – Radverkehr war „SPD/Grünen-Thema“
  2. Kurzes Programm = keine Kapazität für detaillierte Mobilitätspolitik

Die Linke ist historisch glaubwürdig (L3001 mitumgesetzt), aber programmatisch unsichtbar. Sie ist okay als Koalitionspartner für SPD/Grüne, aber kein Motor für Radverkehr.

Wenn man Rot-Rot-Grün will, kann man die Linke wählen – aber SPD oder Grüne sind sicherer.

🟡 Platz 4: CDU – Der Lernprozess

ADFC-Ergebnis: 7/8 Zustimmungen (nur Frage 8 abgelehnt)

Wichtigste Aussage:

„Das Nahmobilitätskonzept wurde in einem breiten Beteiligungsprozess erarbeitet und von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Wir stehen zu diesem Beschluss.„

Das ist bemerkenswert! 2019 blockierte die CDU den Radverkehrsausbau mit „Argumenten“. 2026 bekennt sie sich zum Konzept.

Positiv:

  • ✅ 7 von 8 Zustimmungen
  • ✅ Transparenz-Vorreiter: Einzige Partei mit öffentlichen ADFC-Antworten
  • ✅ Bekenntnis zum Nahmobilitätskonzept
  • ✅ Freie Fußwege ohne Relativierung (besser als FW-UDS!)
  • ✅ Fahrradstraße Darmstädter Straße: Zustimmung

Kritisch:

  • ❌ Keine verbindlichen Budgets (30 €/Einwohner abgelehnt)
  • ⚠️ Vorbehalt „Verkehrsfluss“ bei allen Maßnahmen
  • ⚠️ „Augenmaß“ und „Haushaltslage“ = potenzielle Verzögerungstaktik

Die CDU ist nicht mehr die Blockierer-Partei von 2019, aber auch kein Motor. Sie wird Radverkehrsprojekte mittragen, aber nicht vorantreiben.

🔴 Platz 5: FW-UDS – „Goldrandlösungen“-Fraktion

ADFC-Ergebnis: 5 Zustimmungen + 2 Enthaltungen + 1 Ablehnung

Problematische Aussagen:

Zu Frage 2 (Nahmobilitätskonzept):

„Bei jeder Maßnahme Frage nach Kosten-/Nutzenrelation. Bitte keine Goldrandlösungen!„

Zu Frage 5 (Freie Fußwege):

„Da klingt der Bürgermeister mit seinem Auto diskreditierenden Standardspruch. Natürlich müssen Gehwege frei sein, aber nicht jedes Auto mit Reifen auf Bordstein ist Behinderung„

Das ist verkehrsrechtlich falsch! § 12 Abs. 4 StVO verbietet das Parken auf Gehwegen eindeutig.

Zu Frage 8 (30 €/Einwohner):

„Keiner würde Anspruch einer Interessensvertretung – Fahrradfahrer – Vorrang einräumen gegenüber primärem Ziel der Stabilisierung kommunaler Finanzen„

FW-UDS hat keine aggressive Anti-Rad-Kampagne (besser als FDP), aber das Haushalts-Dogma dominiert alles. Radverkehr wird als „Luxusbedürfnis“ behandelt. Sie werden Projekte nur mittragen bei: (1) Fördermitteln, (2) minimalen Kosten, (3) sehr hohem politischen Druck.

🔴 Platz 6: FDP – Die „Luxusbedürfnis“-Partei

ADFC-Ergebnis: 6 Zustimmungen mit Vorbehalten + 2 Ablehnungen

Das Wahlprogramm:
– Ein einziger Halbsatz: „Radwegenetz ausbauen“
– Schwerpunkt: ÖPNV, Straßensanierung, S2-Verlängerung

Quelle: FDP Dietzenbach Kommunalwahl 2026

Das „Luxusbedürfnis“-Zitat:

Dirk Hill (FDP, Listenplatz 2) in der SVV-Sitzung im Mai 2024:

„Wenn ich bei knappen Geldern entscheiden muss, ob ich in Wohnungsbau oder Radwege investiere, dann ist der Wohnungsbau ein Grundbedürfnis und der Radweg ein Luxusbedürfnis„

Quelle: Offenbach-Post, Social-Media-Kampagne Juli 2025

Die Anti-Rad-Kampagne:

Dirk Hill (FDP-Listenplatz 2) kommuniziert seit Juli 2025 auf Facebook zum Thema „Politik gegen das Auto“ und kritisierte systematisch Radverkehrs-Maßnahmen in Dietzenbach. Seine Sharepics zeigen: durchgestrichenes Auto, leuchtendes Fahrrad – mit dem Subtext „Das ist ungerecht!“.

ADFC-Antworten:

  • ❌ Frage 4 (Fahrradstraße): „nicht im Nahmobilitätskonzept“
  • ❌ Frage 8 (30 €/Einwohner): „mit Haushaltslage nicht vereinbar“
  • 🟡 Frage 3 (Vision Zero): „lehnen ideologische Festlegung ab“

Die FDP wertet Radverkehr als „Luxusbedürfnis“ ab, lehnt konkrete Maßnahmen ab und führt eine öffentliche Kampagne gegen „autofeindliche Ideologie“. Jede Zustimmung kommt mit Vorbehalten – keine verbindliche Umsetzung.

Das Koalitions-Dilemma: Warum Rot-Rot-Grün entscheidend ist

Die beste Radverkehrspolitik nützt nichts, wenn die falsche Koalition gebildet wird. Hier liegt m.E. das größte Risiko für den Radverkehr in Dietzenbach.

Die Koalitions-Szenarien: Die harte Realität

Die Ausgangslage:
– CDU: Aktuell stärkste Kraft in der SVV
– SPD & Grüne: Etwa gleichauf
– Trend: Grüne bundesweit im Sinkflug, SPD auch unter Druck
– Prognose: CDU wird vermutlich noch stärker

Das bedeutet: Eine CDU-SPD-Koalition ist sehr wahrscheinlich – mit der SPD als Juniorpartner.

🟢 BESTE Option: Rot-Rot-Grün (SPD-Grüne-Linke)
– ✅ Alle drei Parteien: 100% ADFC-Zustimmung
– ✅ Hat L3001 erfolgreich umgesetzt (2021-2024)
– ✅ Radverkehrspolitik kann ohne CDU-Blockade umgesetzt werden
– ✅ Grüne können visionäre Projekte pushen
– ✅ Keine CDU = keine Haushalts-Bremse
– ⚠️ ABER: Benötigt starkes Abschneiden von Grünen und Linke

🟠 WAHRSCHEINLICH: CDU-SPD (SPD als Juniorpartner)
– ⚠️ CDU als stärkste Kraft bestimmt Takt
– ⚠️ CDU lehnt 30 €/Einwohner ab
– ⚠️ „Augenmaß“ und „Verkehrsfluss“ bremsen Radverkehrspolitik
– ⚠️ SPD muss massive Kompromisse eingehen
– ⚠️ Radverkehrsprojekte werden verwässert

🔴 KATASTROPHAL: CDU-SPD-FDP (oder CDU-SPD-FW-UDS)

Falls CDU und SPD nicht ausreichen, wird FDP oder FW-UDS als dritte Kraft hinzukommen.

Warum katastrophal?

  1. FDP: „Luxusbedürfnis“-Partei blockiert alle Maßnahmen
  2. FW-UDS: „Goldrandlösungen“-Dogma – nur das Nötigste
  3. Dietzenbach ist arm: Kein Geld = nach FDP/FW-UDS-Logik kein Radverkehr
  4. Nicht nur Radverkehr: Gesamter Nahverkehr in Gefahr

Die bittere Wahrheit: Bei CDU-SPD-FDP oder CDU-SPD-FW-UDS gibt es nur das, wofür Geld übrig ist. Und Dietzenbach hat kein Geld. Das Ergebnis: Stillstand oder sogar Rückschritte.

Der Denkfehler: Nahverkehr ist keine Verschwendung, sondern Investition

FDP und FW-UDS argumentieren: „Radverkehr ist Luxus, wenn Geld übrig ist“. Und Dietzenbach hat kein Geld. Dietzenbach ist arm.

Aber genau deshalb braucht Dietzenbach guten Nahverkehr!

Sicherer, attraktiver Nahverkehr (Rad, Fuß, ÖPNV) ist keine Verschwendung, sondern eine wirtschaftliche Investition:

  1. Wohnwert steigt: Menschen ziehen lieber in Städte mit guter Mobilität
  2. Lebensqualität verbessert sich: Weniger Lärm, weniger Stress, mehr Bewegung
  3. „Stadtbild“ wird besser: Keine zugeparkten Gehwege, keine Radfahrer auf Bürgersteigen, attraktive Straßen
  4. Immobilienwerte steigen: Lebenswerte Stadt = höhere Preise = mehr Steuereinnahmen
  5. Zuzug von Familien: Sichere Schulwege ziehen Familien an

Das müsste sogar der FDP gefallen! Guter Nahverkehr ist wirtschaftliche Stadtentwicklung. Eine Stadt, die heute 30 Euro pro Einwohner in Radverkehr investiert, gewinnt morgen Einwohner, die Steuern zahlen.

Aber die FDP-Logik „Luxusbedürfnis“ verhindert genau diese Investition. Das Ergebnis: Dietzenbach bleibt arm, weil es nicht investiert.

Infrastruktur allein reicht nicht: Durchsetzung muss sein

Aber: Gute Infrastruktur allein reicht nicht. Ohne konsequente Durchsetzung bleibt es Chaos.

Was Dietzenbach parallel zum Ausbau braucht:

  • ✅ Keine zugeparkten Gehwege: Konsequente Kontrolle und Sanktionen
  • ✅ Radfahrer runter von Gehwegen: Egal ob jung oder alt – Radwege nutzen, nicht Bürgersteige!
  • ✅ Beleuchtungspflicht durchsetzen: Nächtliches Radfahren ohne Licht sanktionieren
  • ✅ 2-Meter-Abstand beim Überholen: Autofahrer müssen die Regel kennen und einhalten
  • ✅ Geschwindigkeitskontrollen: Tempo 30 durchsetzen, nicht nur beschildern

Gute Infrastruktur + konsequente Durchsetzung = sichere Stadt für alle.

Das verbessert nicht nur die Sicherheit für Radfahrende und Fußgänger, sondern auch das gesamte Stadtbild. Und ein besseres Stadtbild erhöht den Wert der Stadt – auch wirtschaftlich.

Wahlempfehlung für Radfahrende: Strategisch denken!

Oberste Priorität: Rot-Rot-Grün ermöglichen

Das Ziel: Eine Koalition aus SPD, Grünen und Linke – alle drei mit 100% ADFC-Zustimmung und bewährter Erfolgsbilanz (L3001).

Das Problem: Wenn nur SPD gewählt wird, fehlt der SPD die Alternative zu CDU-Koalitionen.

Die Lösung: Strategisch wählen

Empfehlung 1: Grüne wählen

🟢🟢 ERSTE WAHL für Radfahrende

Warum Grüne?

  • ✅ Bestes Programm: Visionär, detailliert, ohne Auto-Vorbehalte
  • ✅ Glaubwürdig: Hat L3001 mitumgesetzt
  • ✅ Keine CDU-Nähe: Verhindert SPD-CDU-Koalition
  • ✅ Pushen den Radverkehr: Motor, nicht Bremse

Für wen geeignet:
– Du willst maximalen Radverkehrsausbau
– Du willst Schnellradwege, Fahrradstraßen, autoverkehrsarme Altstadt
– Du willst keine Kompromisse mit CDU/FDP

Empfehlung 2: SPD wählen

🟢 ZWEITE WAHL für Radfahrende

Warum SPD?

  • ✅ Pragmatisch: Hat L3001 erfolgreich umgesetzt
  • ✅ Dr. Lang: Bürgermeister als Rad-Champion (lädt mich als Experten ein!)
  • ✅ Umsetzungskraft: In der Regierung, kennt Abläufe
  • ✅ 100% ADFC-Zustimmung

Für wen geeignet:
– Du vertraust auf Pragmatismus statt Vision
– Du glaubst, dass SPD Rot-Rot-Grün bilden wird

Empfehlung 3: Linke wählen (nur als Koalitions-Ergänzung)

🟡 DRITTE WAHL für Radfahrende

Warum Linke?

  • ✅ Historisch glaubwürdig: Hat L3001 mitumgesetzt
  • ✅ 100% ADFC-Zustimmung
  • ✅ Verhindert SPD-CDU: Zünglein an der Waage

ABER:
– ❌ Programmatisch unsichtbar: Kein Radverkehr im Wahlprogramm
– ❌ Kein Motor: Wird nicht proaktiv Radverkehr vorantreiben

Für wen geeignet:
– Du willst Rot-Rot-Grün ermöglichen
– Du willst SPD-CDU verhindern
– Du akzeptierst, dass Radverkehr nicht ihr Schwerpunkt ist

Ich schreibe diesen Artikel nicht als neutraler Beobachter. Ich bin als Radfahrer persönlich betroffen – und zwar auf die denkbar härteste Art.

2019 wurde ich auf der L3001 von einem abbiegenden Auto schwer verletzt. Die Straße war damals ein Albtraum für Radfahrende.

Deshalb fahre ich wieder dort – und fühle mich sicherer als je zuvor. Die L3001 hat jetzt sichere Radstreifen, Tempo 30 an meiner Unfallstelle, besseren Verkehrsfluss. Ich bin der lebende Beweis dafür: Es funktioniert!

Aber diese Verbesserung kam nicht von selbst. Es war ein langer Kampf gegen „Argumente“, mit viel Überzeugungsarbeit.

Deshalb ist mir diese Wahl so wichtig. Wir dürfen nicht zurück zu 2019. Wir dürfen nicht zurück zu Blockade, zu falschen Argumenten, zu „Luxusbedürfnis“-Rhetorik.

Dietzenbach hat bewiesen, dass Radverkehrspolitik funktioniert. Die 7-Minuten-Stadt, 78,5 Punkte im Index, positive Veränderungen im ADFC-Test – das sind keine Zufälle. Das ist das Ergebnis mutiger Politik.

Und jetzt liegt es an uns Wählerinnen und Wählern: Wollen wir, dass es so weitergeht?

Meine Empfehlung an Radfahrende

Wählt die Grünen. Oder wählt die SPD. Oder wählt die Linke.

Aber wählt so, dass Rot-Rot-Grün in der SVV eine Mehrheit bekommt. 

Mein persönlicher Weg: Panaschieren statt Parteiliste

Die obigen Empfehlungen gelten für alle, die eine Parteiliste wählen wollen. Ich selbst gehe einen anderen Weg:

Ich panaschiere – wie schon bei den letzten Kommunalwahlen. Das bedeutet: Ich gebe meine Stimmen gezielt den Kandidatinnen und Kandidaten, die für das stehen, was mir wichtig ist – im Nahverkehr und darüber hinaus.

Nicht die Partei entscheidet, sondern die Menschen. Wer hat sich in der Vergangenheit für Radverkehr eingesetzt? Wer hat in der SVV für das Nahmobilitätskonzept gestimmt? Wer nimmt das Thema ernst?

Das Schöne am Panaschieren: Man ist nicht an Parteigrenzen gebunden. Man kann die besten Köpfe aus verschiedenen Parteien wählen – solange sie für die richtigen Themen stehen.

Mein Tipp: Schaut euch die Kandidatinnen an. Geht zu Wahlveranstaltungen. Stellt Fragen. Und dann entscheidet, wer eure* Stimme verdient – unabhängig vom Partei-Logo.

Denn am Ende sitzen in der SVV keine Parteien, sondern Menschen. Und diese Menschen treffen die Entscheidungen über Dietzenbachs Zukunft.

Quellen und weitere Informationen

ADFC-Wahlprüfsteine

  • CDU Dietzenbach (einzige Partei mit öffentlichen Antworten)
  • SPD, Grüne, Linke, FDP, FW-UDS: PDFs beim ADFC erhältlich

Wahlprogramme

  • Grüne Dietzenbach
  • SPD Dietzenbach
  • FDP Dietzenbach
  • CDU Dietzenbach
  • Die Linke Dietzenbach
  • FW-UDS Dietzenbach

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