Eine persönliche Zeitreise durch anderthalb Jahrzehnte Blogger-Leidenschaft: 15 Jahre CyclingClaude
9. Januar 2011 bis 9. Januar 2026 – oder: Wie aus „wahrscheinlich niemanden“ Freunde wurden
Vor genau 15 Jahren, am 9. Januar 2011, schrieb ich meinen ersten Blogbeitrag, am Tag nach meiner ersten Rennrad-Ausfahrt des Jahres. Meine ehrlichen Einschätzung: „Wen es interessiert? Wahrscheinlich niemanden.“
Ich startete den Blog eigentlich für mich.
Aber ich lag falsch. Und wie.
Artikelinhalt
Der Anfang: Ein 45-jähriger Radjunkie


Damals war ich 45, hatte nach zwei Jahren Wiedereinstieg in den Radsport mit einem Mountainbike, gerade mal knapp zwei Jahre Rennrad-Erfahrung und in 2010 8.800 Kilometer erradelt. Mein erstes Vätternrundan lag hinter mir – 10:50h Netto-Fahrtzeit auf 300 km und ich war stolz wie Oskar. Mein Ziel für den Blog war simpel: Ein bisschen übers Training schreiben, über die Vätternrundan, vielleicht ein paar Gedanken zu Radveranstaltungen – mehr nicht.
Heute, mit 60, blicke ich sportlich auf 13 absolvierte Vätternrundan zurück. Aus „knapp 8.800 km“ sind weit über Hunderttausend Rennrad-Kilometer geworden. Aus einem kleinen Hobby-Blog ist CyclingClaude.de geworden – mit Produkttests, zeitweiligem Podcast, und jetzt sogar einem Buch*.

Als Menschen noch Blogs gelesen haben, hatte mein Blog zeitweise bis zu 40.000 unique visitors monatlich. Ich veröffentlichte in schwedischen, australischen und US-Amerikanischen Publikationen. Ich wurde für einen Artikel im berühmten Smithsonian Magazine interviewt. Einer meiner investigativen Geschichten schafften es in eine Fernsehreportage über gescheiterte Start-ups. Der Blog bekam Auszeichnungen bspw. als Top-Fahrradblog (#2 in 2016, #1 in 2017, #1 Rennradblog 2018, #3 in 2021).

Aber vor allem: Mit einer Community, die weiß dass sie sich auf meine Empfehlungen verlassen kann. Dass ich keine versteckte Werbung mache, oder Produkte gegen Geld anpreise.
Noch wichtiger für mich: Aus manchen Lesern wurden Bekannte, aus einigen sogar Freunde. Das ist das wirklich Schöne an diesem Hobby.
Was sich verändert hat
Die Reichweite: Als mich die ersten Leser per Mail kontaktierten, war ich fast erschrocken. Dass jemand das hier liest? Wirklich? Aus „wahrscheinlich niemanden“ wurden Zehntausende. Menschen, die mich auf Messen wie der Cyclingworld Europe erkennen, Selfies wollen oder einfach nur „kurz mit CyclingClaude quatschen“ möchten. Ich freue mich wirklich über jeden Kontakt.
Die Plattformen: Die Hochzeit der Fahrradblogs ist vorbei. KI-generierte Suchergebnisse und die Tatsache, dass Menschen weniger gerne lesen, kosten Besucher. Aber die Kern-Community liest immer noch hier . Auf Instagram, Facebook, TikTok und YouTube ist sie sogar gewachsen, auch wenn ich mich als „Boomer“ mit Inhalten für ein jüngeres manchmal schwer tue. Die Zeiten ändern sich – die Leidenschaft bleibt.
Die Inhalte: 2011 bloggte ich über mein Training, mein erstes „richtiges“ Rennrad und die Vätternrundan. Auch heute sind Vätternrundan und selbst genutzte Produkte Kernsbestandteil. Aber ich habe auch Zugang zu Testprodukten, die mich interessieren, die ich mir aber kaufen würde. Schließlich kauft man sich bspw. keine drei verschiedenen elektrischen Minipumpen, wenn man nur eine braucht. Heute darf ich interessante Produkte testen, wie bspw. das Wahoo KICKR Bike Pro, schnelle Reifen, Top-Schuhe, verschiedene Radcomputer etc. Auch Test-Bikes habe ich manchmal zu hause, aber seltener. Schließlich passe ich seit meiner unfallbedingten Rückenverkrümmung nicht mehr auf jede Radgeometrie. Meine Rennräder hängen nicht mehr an den Wohnzimmerwänden – dafür gibt es jetzt eine Sport-Cave im ehemaligen Kinderzimmer.
Hier ein paar Impressionen der Evolution meiner Fahrradecke im Wohnzimmer, bis hin zum eigenen Zimmer (letzte zwei Fotos). Luisa (siehe unten) hat in all den Jahren starke Nerven gebraucht.











Die Rolle: Vom enthusiastischen Anfänger zum Vätternrundan-Experten, zum inoffiziellen deutschen Botschafter des schwedischen Klassikers, zum jahrelangen Autor für die deutsche Community von cykla.se. Aus jährlich wiederkehrenden Bauchfett-Challenges und Ernährungsinhalten im Blog zum Buchautoren: „Die Claude-Methode: Bauchfett runter, Leistung rauf“.
Die Menschen: 2011 war ich geschieden, im wöchentlichen Wechsel mit meiner Ex-Frau alleinerziehender Vater, und noch solo unterwegs. Seit 2012 habe ich Luisa an meiner Seite. Sie akzeptierte, dass Rennräder im Wohnzimmer an der Wand hingen, und dass ich eine Rennrad-Trainingsecke im Wohnzimmer eingerichtet hatte. Der Blog hat sie einiges an gemeinsamer Freizeit gekostet, auch das hat sie akzeptiert – bis heute. Aber sie hat auch viel unterstützt: Trainingslager auf Mallorca, Vätternrundan-Aufenthalte in Schweden, Besuche auf Fahrradmessen, Kamerafrau …
Luise ist keine aktive Rennradfahrerin, aber mit ihrem Vello Bike+ mittlerweile eine glückliche Radpendlerin. Sie unterstützt meine jährlichen Bauchfett-Challenges nicht nur mit Geduld, sondern auch mit leckeren Rezept-Ideen. Ihr solltet mal ihr Ceviche probieren!
Dass meine Rennräder jetzt in meiner Man- bzw. Pain-Cave im ehemaligen Kinderzimmer hängen? Das freut Luisa außerordentlich.
Und sie ist ein wenig stolz, wenn Leser, Zuschauer, Follower mich auf Events ansprechen, wenn sie dabei ist.


Was gleich geblieben ist
Die Unabhängigkeit: CyclingClaude war, ist und bleibt Hobby. Schließlich habe ich einen interessanten Job als Produktmanager im B2B-Bereich, mit dem ich den Lebensunterhalt verdiene. Deshalb gibt es hier im Blog und auf Social Media keinen Kommerz, keine Verasche, kein Influencing – also Produkte hochhalten gegen Geld. Wenn ein Produkt nichts taugt, sage ich es. Auch wenn das bedeutet, dass ich bei manchen Firmen nicht der Liebling bin. Es gibt hier nur Affiliate-Links, damit ich die meisten Kosten gedeckt bekomme. Webosting, Plugins etc. sind leider nicht kostenlos.
Der investigative Geist: Ich erinnere mich an das Texlock-Gate: Ein als sägesicher beworbenes Schloss, das man mit einer kleinen Hobbysäge in Sekunden öffnen konnte. Das brachte meine YouTube-Videos sogar in Fernsehbeiträge.
Oder die Dashbike-Chronologie-des-Versagens: Das Startup, das seine Kickstarter-Investoren nicht belieferte und mehr Luftschlösser als Produkte produzierte. Meine offen-kritische Begleitung machte mich zum Feindbild der Gründer. Vermutlich zu einer Zeit, als die meisten Investoren- und Zuschussgelder verlebt waren, wollte man eine weitere Einnahmequelle öffnen. Damals gab es auf Twitter einen Satire-Account auf einem von der Firma aufgegebenen Twitter-Handle. Meiner Meinung nach war der nicht nur lustig, sonder spiegelte den Eindruck wider, den auf versprochene Produkte wartende Kickstarter-Investoren hatten. Dem Account wurde seitens der Gründer nach meiner Erinnerung geschäfts- oder rufschädigendes Verhalten vorgeworfen, weshalb die Firma angeblich entscheidendes Kundenpotenzial verloren hätte. Den Inhaber wollte man haftbar machen.
Mich brachte man offenbar mit diesem Account in Verbindung, erstatte aber zunächst Anzeige gegen unbekannt und ich wurde als Zeuge vorgeladen. Entsprechend wurde zunächst als Zeuge von der Polizei Offenbach befragt, bis ich blickte was der Hintergrund des Ganzen war. Pragmatisch übergab ich dem ermittelnden Beamten mein iPhone, der sich durch Zugriff auf Apps und Emails überzeugen konnte, dass mir dieser Satire-Account nicht gehört. Dass der Polizist selbst ambitionierter Rennradfahrer war, fand ich sogar lustig. Das Gebaren des Start-Ups, deren Geschäftsführer ein halbes Jahr später einen Insolvenzantrag stellten, fand ich weniger lustig. Aber gut, viel Feind, viel Ehr.
Die Kernmotivation: Ich liebe noch immer „die Sonne, die im Sommer durch die Speichen strahlt“. Ich bin noch immer ein Genussmensch, der mit viel Training auch viel essen und trinken kann, auch wenn ich in meinem Buch „Die Claude-Methode“ rate, im Sommer das Gewicht im Blick zu behalten.
Die Leidenschaft: 15 Jahre später sitze ich noch immer nach Ausfahrten am Schreibtisch und denke: „Darüber muss ich schreiben.“









Wenn Blogleser zu Helfern werden
Manchmal hilft die Blog-Community auf völlig unerwartete Weise. Ich erinnere mich an ein Trainingslager auf Mallorca, als ich schon Wochen unter einer Fußheberparese litt – einer neurologisch bedingten Lähmung, die mich hinderte, meinen rechten Fuß vorne nach oben zu ziehen. Neurologen hatten die Diagnose gestellt, aber keine Lösung gefunden.
Abend für Abend saß ich in der Hotelbar des THB María Isabel an einem der Tische und tippte meine Tageserlebnisse in den Blog – wie immer mit übergeschlagenem rechtem Bein. Eines Abends stellte sich mir ein Mann vor, ebenfalls Rennradfahrer. Einer seiner Freunde war offenbar Blogleser und hatte bemerkt, dass wir im selben Hotel waren. Er hatte diesem Freund, einem auf Mallorca trainierenden Neurologen, von meiner Fußproblematik erzählt, über die ich damals häufig schrieb.
Der Arzt hatte eine Vermutung: Er hatte mich jeden Abend in der Bar beobachtet – immer saß ich mit dem rechten Bein über dem linken. Genau so, wie ich auch gerne im Büro saß. Seine Diagnose: Ich klemmte mir rechts außen, etwas unterhalb des Knies, genau dort wo das rechte Bein auf dem Unterschenkel aufliegt, einen Nerv ab, der zum Fuß führt und die Parese verursacht.
Ich war erstaunt, setzte mich danach nicht mehr so hin. Nach einer Woche war die Lähmung verschwunden. Auch das erlebt man als Blogger – durch aufmerksame Leser. Unbezahlbar.
Was wirklich zählt
Der Blog war immer ein Zuschussgeschäft. Keine bezahlten Artikel, keine Sponsoren-Deals, keine falschen Versprechungen. Aber: Die gewonnenen Freunde und alle Erlebnisse sind mir wertvoller als jeder Euro. Aus vielen Lesern sind Bekannte geworden. Einige wurden zu Freunden. Das ist wichtig. Das ist alles.
Danke
An alle, die in den letzten 15 Jahren hier vorbeigekommen sind. Die kommentiert, geteilt, diskutiert haben. Die mir nach Vätternrundan-Artikeln geschrieben haben: „Dank deinen Tipps habe ich es geschafft!“ Die verstehen, dass ein Blog ohne Werbepartnerschaften möglich ist – und wertvoll.
An Luisa, die seit 2012 nicht nur geduldig erträgt, dass abends oder am Wochenende „kurz was für den Blog“ geschrieben werden muss, sondern auch auf viele gemeinsame Wochenenden verzichtet hat. Die aber auch mitgereist ist. Die mich bei jeder Challenge unterstützt. Die sich freut, dass die Rennräder endlich aus dem Wohnzimmer sind. Die ein bisschen stolz auf mich ist. Luisa, ich liebe dich.
An die Vätternrundan, die aus einem Neuling einen 13-fachen Finisher gemacht hat.
An meine Podcastpartner und Gäste, ganz besonders an Sarah, die bis zum Schluss geblieben ist, meinen Bruder CyclingOlli und andere Gastautoren.
An die PR-Agenturen der Firmen, bei denen ich bei Bedarf oder bei Neuheiten Produkte anfordern darf.
An Fahrradmessen wie Cyclingworld Europe oder die Eurobike, die Blogger mit Reichweite seit Jahren anderen Medienschaffenden gleich stellen.
An alle Leser, die Bekannte und Freunde wurden.
Die nächsten 15 Jahre?
Mit 60 habe ich nicht vor, langsamer zu werden. Mein Project 60 war erst der Anfang. 2025 steht nicht nur die 14. Vätternrundan steht an. Neue Produkte wollen getestet werden. Die digitale Welt verändert sich – Blogs kämpfen mit KI-Suchen und kürzeren Aufmerksamkeitsspannen, aber echte Communities bleiben. Und solange die Sonne durch die Speichen strahlt, wird hier weiter gebloggt, gepostet, geteilt – unabhängig, ehrlich, leidenschaftlich.
Denn: „Wen es interessiert?“ – Euch. Und das reicht.
Auf die nächsten 15 Jahre. Im Sattel, am Keyboard und mit den Menschen, die es möglich machen.
PS: Der erste Blogeintrag von 2011 bleibt natürlich online. Als Erinnerung daran, dass jede große Reise mit einem einzigen Tritt in die Pedale beginnt – und man nie weiß, wen man unterwegs trifft.
Freie Fahrt ohne Werbe-Ballast! 🚴
Keine blinkenden Banner, keine nervigen Pop-ups – nur purer Fahrrad-Content.
Damit das Hobby-Projekt weiter am Start bleibt und ich dir ehrliche Tipps, Tests und Informationen liefern kann, gibt’s hier zwei simple Wege, wie du supporten kannst:
1. Teilen macht schneller: Hat dir ein Artikel gefallen? Oder mehr Insights gebracht? Dann teil den Content mit deiner Truppe – ob in der WhatsApp-Gruppe, auf Strava oder klassisch bei Facebook. Mehr Reichweite, mehr Interaktion = mehr Motivation für neue Artikel!
2. Follow me – für die tägliche Dosis: Auf YouTube, Instagram und TikTok (@CyclingClaude) gibt’s den schnellen Kick zwischendurch, also vieles, was im kurzen Reel-Format perfekt funktioniert, aber hier im Blog untergehen würde. Ein Follow, Like oder Kommentar pusht die Sichtbarkeit enorm – und je mehr Leute interagieren, desto mehr coolen Content kann ich produzieren!
3. Win-Win beim Equipment-Shopping: Du brauchst eh neue Reifen, endlich mal ordentliche Radklamotten oder das lange geplante Upgrade? Nutze einfach einen meiner Affiliate-Links – kostet dich keinen Cent extra, hilft aber dabei, Server, Domain und die unzähligen Espresso-Stopps bei Testfahrten zu finanzieren.
Alle Affiliate Links sind mit einem (*) gekennzeichnet.
Meine Partner für dein Setup: Alltricks, Amazon, Bergzeit, Bike Components, Bob Shop, Boc24, Decathlon, Helden.de, Hiplok, Rose Bikes, Urban Zweirad …
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Ride on & Danke für den Support!
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Lieber Claude, Glückwunsch zum Jubiläum und bleib dabei! Ich lese deine Beträge hier wirklich gerne, auch das, was mich nicht betrifft (ich trainiere nicht indoor und ich habe auch keine Gewichtsprobleme, weswegen ich die Claude-Methode nur interessiert zur Kenntnis nehme ohne sie zu implementieren. Deine Social media Kanäle verfolge ich nicht, was daran liegt, dass man sich auf social media verrennt und hinterher über die verschwendete Zeit ärgert. Den Zusammenhang zwischen Blog, Social media, und KI interpretiere ich etwas anders. Blog ist für mich sowas wie Qualitätsjournalismus, während Social media eher »BILD mit Kommentarfunktion« ist. Na und KI macht es eher komplizierter, als einfacher, weil ich immer erst prüfen muss, wo die KI die Infos her hat. Meistens lese ich dann die Originalquelle. Also: Danke für alles und mach weiter so, längere Texte mit Hintergrundwissen sind noch nicht tot!