Vorwort
Dies ist mein zugegebenermaßen zu langer Bericht von der Vätternrundan 2025 – der 60. Ausgabe, an der ich kurz nach meinem 60. Geburtstag teilgenommen habe.
Ich hoffe, lesefreudige Radsportler mit diesem Text für eine Teilnahme begeistern zu können. Die Vätternrundan ist etwas ganz Besonderes.
Wenn du an einer Teilnahme interessiert bist, kannst du mir gerne Fragen zukommen lassen oder sie in unserer deutschsprachigen Vätternrundan-Facebook-Gruppe stellen.
Falls du schon einmal teilgenommen hast – wie waren deine Eindrücke, deine Erlebnisse? Die anderen Leser freuen sich, wenn sie nicht nur meine Sicht kennenlernen.
Die längeren Videos hier im Artikel sind auf Instagram gehostet. Du siehst sie leider nur, wenn du ein eigenes Instagram-Profil hast. Falls du eins hast, freue ich mich, wenn du dort meinem Kanal folgst.
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Übrigens: Ausnahmsweise wird dieser Artikel auch auf Englisch erscheinen. Das wird aber auf cyclingclaude.de nicht zur Regel werden.
Danke vorab fürs Lesen, Kommentieren, Teilen…
Ach ja: Die offizielle Seite der Vätterrundan findest Du hier.
Die Magie der Zahlen
Manchmal fügen sich Dinge im Leben so perfekt zusammen, dass man fast an Schicksal glauben möchte. Im Juni 2025 wurde ich 60 Jahre alt. Wenige Tage später stand die 60. Ausgabe der Vätternrundan an. Und ich? Ich war zum 13. Mal dabei – wenn man die Corona-Heimrunde 2020 mitzählt, bei der Oliver, Florian und ich, statt um den Vätternsee, von Langenlonsheim, wo wir aufgewachsen waren, nach Kleinblittersdorf und zurück geradelt sind.
„The 60th Race“, wie die Veranstalter ihr Jubiläum nennen. Mein „Project 60“, wie ich es seit 2023 nenne. Denn als ich damals merkte, dass das Kieser-Training meinem kaputten Rücken tatsächlich hilft, fasste ich den Plan: 2025 muss ich dabei sein. Die Zahlen waren zu perfekt, um sie verstreichen zu lassen.
Von der Premiere zum alten Hasen – meine Vätternrundan-Story
2010 saß ich zum ersten Mal im Sattel, um die damals noch 300 Kilometer um Schwedens zweitgrößten See zu radeln. Über 14,5 Stunden brutto brauchte ich damals, hielt in acht von neun Verpflegungsdepots und fragte mich zwischendurch mehr als einmal, warum zur Hölle ich mir das antue. Die Antwort kam spätestens im Ziel in Motala: Dieses Gefühl, diese Atmosphäre, diese verrückte Mischung aus Qual und Glückseligkeit – das macht süchtig.
Jahr für Jahr wurde ich schneller, lernte die Strecke kennen und fand meinen Rhythmus. 2014, mit 49 Jahren bei der 49. Ausgabe, knackte ich erstmals die 10-Stunden-Marke. 2015, mit 50 Jahren, nahm ich an der 50. Ausgabe teil – wieder so ein perfekter Zufall. Und dann 2019: Meine persönliche Bestzeit auf 300 km: 8 Stunden und 36 Minuten brutto. Mit 54 Jahren war ich fit wie nie zuvor.





Der Bruch – im wahrsten Sinne des Wortes
Zwei Monate später lag ich auf dem Asphalt. Ein Auto hatte mir auf den Nachhauseweg von der Arbeit die Vorfahrt genommen. Brustwirbel gebrochen. Zwei OPs, Titanstäbe, Schrauben. Was blieb: eine Kyphose von 38 Grad – ein krummer Rücken, der schmerzt, wenn ich zu lange sitze, stehe, liege – oder eben Rad fahre. Das seitliche Umschauen auf dem Rad? Vergiss es. Schulterblick? Nur noch eingeschränkt möglich.




2020 musste die Vätternrundan aufgrund von Corona-Bewegungseinschränkungen „daheim“ gefahren werden. Die Ländergrenzen waren geschlossen. Ich schaffte die Runde – mit Ach und Krach, wie ich damals schrieb, noch mit dem Titan im Rücken.
Die eigentliche Verkrümmung von 28° auf 38° und mein langer Leidensweg folgten nach der Metallentfernung im Dezember 2020.
Im Jahr 2021 glaubte ich nicht, dass ich jemals wieder lange Rad fahren könnte. Erst 2023, nach unglaublich viel Core- und Krafttraining sah ich Licht am Ende des Tunnels. Damals nahm ich mir vor, 2025 zur 60. Vätternrundan zurückzukehren.
Doch schon 2024 folgte meine spontane Rückkehr nach Schweden. Ungeplant. Ein Leser meines Blogs konnte kurzfristig nicht starten, und ich übernahm in einem Anflug von Übermut seinen Startplatz. Wenig trainiert, mit Schmerzen, aber verdammt noch mal: Ich war wieder in Motala. Es war die 59. Ausgabe – eine ungeplante Generalprobe für mein Project 60.


Project 60 – wenn der Körper andere Pläne hat
Die Vorbereitung auf das Jahr 2025 sollte anders aussehen. Besser. Strukturierter. Doch stattdessen wurde sie zu einem Hindernislauf der besonderen Art.
Januar 2025: Ich konnte tagsüber bei der Arbeit kaum die Augen aufhalten. Jedes Meeting wurde zur Qual, jeder Nachmittag zur Tortur. An Training war nicht zu denken – nach der Arbeit fiel ich nur noch aufs Sofa.
Februar 2025: Die Diagnose lautete Schlafapnoe. Nachts hörte ich immer wieder auf zu atmen, ohne es zu merken. Die Schlafanalyse ergab, dass ich mehr als 8 Minuten pro Stunde nicht atmete. Krass. Mein Körper bekam zu wenig Sauerstoff und konnte sich nie richtig erholen. Seitdem schlafe ich mit einem CPAP-Gerät – so ein Ding mit Maske und Schlauch, wie Darth Vader in Rente. Sexy ist anders, aber hey, endlich kann ich wieder durchschlafen! Ohne Diagnose und CPAP-Verordnung hätte ich das Projekt 60 wahrscheinlich nicht durchgezogen.


Aber der Februar hatte noch mehr auf Lager: Asthma bronchiale. Meine Bronchien machten nur noch zu 80 % auf. Eine Spätfolge von Corona? Stell dir vor, du atmest durch einen Strohhalm – so fühlte sich jede Trainingsfahrt an. Seitdem nehme ich zweimal täglich Foster-Spray mit Kortison und bei Bedarf Salbutamol. Im März war mein Lungenvolumen wieder bei 100 %, aktuell dümpelt es bei 88 % herum. Auch nicht geil!


Und Kortison? Das macht fett. Klar, Bier und gutes Essen tun ihr Übriges, aber in Kombination ist das fatal. An „Wettkampfgewicht“ war im Juni nicht mehr zu denken. Auf Mallorca war es noch o.k. (siehe unten).
Die Vorbereitung – trotz allem
Drei Wochen Mallorca im April. Nice! Nicht in die Berge der Tramuntana, sondern lange, wellige Strecken für die Grundlagenausdauer. Mehrmals zwischen 150 und 170 km pro Trainingstag, meist über 120, immer über 100 km. Berge taugen nicht für Langstreckentraining – berghoch ist man zu lange im zu hohen Trainingsbereich, bergab lässt man es rollen. Für die Vätternrundan braucht es andere Qualitäten: lang, mittelintensiv mit Intervallen als Belastungsspitzen. Das wirkt nachhaltig.



Natürlich habe ich auch wieder schwedische Radsportler getroffen. Eine Frau, mit der ich mich bei einer Rast auf Mallorca länger unterhalten hatte, erkannte mich später in Motala wieder. Die Welt ist klein.
Am vorletzten Tag an der Playa de Palma habe ich mir ein Tattoo stechen lassen. Außen auf die linke Wade: das Vätternrundan-Logo und die 315km, darunter die Zahl 60 im Kreis, angelehnt an das offizielle Jubiläumslogo, aber für meinen kommenden Geburtstag. Ein sichtbares Versprechen, dass ich meine 13. Vätternrundan durchziehe. Egal wie.
Tattoos sind auf Mallorca übrigens günstiger als in Deutschland. Klaus, ebenfalls Leser meines Blogs, hatte sich schon öfter auf Mallorca tätowieren lassen und gab mir den Tipp, mich an Isla Tattoo (auf Instagram @islatattoo_mallorca) zu wenden. Jorge, der Inhaber, liefert Top-Qualität.


Zurück in Deutschland folgten im Mai zwei 200-Kilometer-Runden rund um Frankfurt. Teilweise auf Gravel, weil … warum nicht noch eine zusätzliche Herausforderung? Die Vorbereitung war alles andere als optimal, aber sie war da. Irgendwie.
Die unsichtbaren Kämpfe
Was man auf dem Rad nicht sieht: die unzähligen Stunden bei Kieser Training in Offenbach. Seit Jahren. Zweimal die Woche. Krafttraining. Core Stability. Rückenmuskulatur. Ohne das Training würde ich keine drei Stunden auf dem Rad sitzen können, geschweige denn 315 Kilometer fahren.
Die Nächte mit der CPAP-Maske. Das morgendliche und abendliche Ritual mit dem Kortison-Spray. Die Salbutamol-Notfalldosis in der Trikottasche. Die Ibuprofen für den Rücken… oder das Reflex-Spray, das ich immer aus Mallorca mitbringe, weil es in Deutschland nicht zugelassen ist.
Es ist ein komplizierter Deal mit meinem Körper geworden. Ich gebe ihm Medikamente, Krafttraining und Atemhilfe – und er lässt mich dafür einmal im Jahr um den Vätternsee radeln. Optimal ist anders. Aber machbar. Und das muss reichen.
Die Anreise – ein Roadtrip mit Hindernissen
Anders als 2024, als ich kurzentschlossen und allein nach Schweden aufbrach, hatte ich diesmal Verstärkung dabei: Luisa, meine Frau, begleitete mich. Im Mai 2024 hatte ich mir einen neuen Mini-Wohnwagen als „rollendes Homeoffice“ zugelegt: einen Trigano Freestyle Mini 290 mit einer Bettfläche von 1,90 x 1,40 Metern – perfekt für einen Sportler plus Begleitung. Er ist klein, wendig und hat alles, was man braucht. Kein rollender Palast, aber mein rollendes Zuhause.
Eigentlich wollten wir schon am Wochenende vor dem Hauptevent in Schweden sein. Ich hätte mir gerne die ganze Palette angeschaut: Halbväter, Frauenväter, MTB-Väter, Mini-Väter und E-Bike-Väter. Am Sonntag, dem 8. Juni, hätte ich außerdem meinen 60. Geburtstag in Motala feiern können. Aber meine Mutter hatte am selben Tag Geburtstag – ihren 85. Das geht vor. Family first, Vättern second.


So brachen Luisa und ich erst am Sonntagabend um 22 Uhr auf. Mit dabei: der Mini-Wohnwagen, im Laderaum des Autos das Canyon Endurace CFR und unsere zwei Vello Bike+ Falträder. Zum Glück haben wir ein großes Auto. Die Vorfreude war mit dabei. Eine kurze Nacht auf einem Rastplatz bei Kassel – dafür ist der kleine Wohnwagen wie gemacht. Einfach anhalten, schlafen, weiterfahren.
Am Pfingstmontag ging es weiter nach Rostock. Am Nachmittag wartete die Fähre der Stena Line auf uns. Sechs Stunden über die Ostsee nach Trelleborg – Zeit zum Durchatmen, zum Ankommen und Umschalten von Deutschland auf Schweden.



Schweden empfängt uns – nordisch kühl
Am frühen Abend rollten wir in Trelleborg von der Fähre. Bis Motala waren es noch gut 400 Kilometer. Das wäre theoretisch in vier bis fünf Stunden machbar. Praktisch? Wir waren müde, es wurde dunkel und wir suchten uns einen Platz für die Nacht irgendwo an der Autobahn. Neben den LKWs, teils mit laufendem Kühlaggregat… ruhig ist anders. Schlafen konnten wir aber doch. Der Wohnwagen bewährte sich erneut.

Dienstagmorgen. Das Wetter zeigte sich von seiner typisch schwedischen Seite: Es war kalt, windig und regnerisch. Willkommen in Skandinavien! Als wir jedoch mittags in Motala ankamen, hatte der Regen aufgehört. Ein gutes Zeichen?
Der Z-Parken empfing uns wie einen alten Freund. Seit 2010 ist dieser Campingplatz auf dem Gelände des Fußballclubs BK Zeros mein Basislager.

Er liegt nur 100 Meter vom Varamon-Strand entfernt, dem längsten Sandstrand Schwedens und, soweit ich weiß, dem längsten Strand an einem Binnengewässer Europas.

Die Vätternrundan-Freunde
Was den Z-Park so besonders macht, ist nicht nur die praktische Lage in Stadtnähe bzw. als Start- und Zielpunkt. Es sind die Menschen. Seit 2011 treffe ich hier meine „Vätternrundan-Freunde”, also die Familie und Freunde von Horst, dem ehemaligen Sport- und Mathematiklehrer aus Göhren auf Rügen, der leider im letzten Jahr verstorben ist.
Ich mochte Horst sehr und freute mich jedes Jahr auf ihn und seine humorvolle Art. Auch wenn ich ihn immer nur einmal im Jahr sah, war er mir sehr ans Herz gewachsen. Ich denke nun immer an ihn, wenn ich um den See radle. Nicht nur dieses Jahr.
Das Wiedersehen mit den Rüganern ist jedes Jahr wie ein Familientreffen. Man kennt sich, man freut sich aufeinander, man teilt die gleiche Leidenschaft – und die gleiche Verrücktheit, einmal im Jahr 315 Kilometer um einen See zu radeln. Jeder hat das gleiche Ziel … um Horst zu zitieren: „Hauptsache Rumkommen“ – um den See natürlich.
Das Besondere an der Vätternrundan
Die Vätternrundan ist kein Etappenrennen. Man fährt die gesamte Strecke durch. 315 Kilometer am Stück. Zwar gibt es Verpflegungsstationen, sogenannte Depots, an denen es neben Essen und Getränken auch Massagen, medizinische Versorgung und technische Hilfe gibt, wenn man sie braucht, aber trotzdem ist es eine große Herausforderung. Aber aufhören? Das macht man nicht. Es sei denn, der Körper streikt komplett.
Vor der Pandemie platzte das Event mit 20.000 Anmeldungen aus allen Nähten, das war die absolute Kapazitätsgrenze. Nach Corona sind es immer noch etwa 15.000 – eine enorme Masse, die sich in der Nacht von Freitag auf Samstag in Bewegung setzt. Die Teilnehmer werden in Blöcken auf die Strecke gelassen. Alle zwei Minuten startet ein Block, und das die ganze Nacht durch.
Wer früh startet, also vor etwa 22 Uhr, kann sowohl den Sonnenuntergang als auch den Sonnenaufgang genießen. Der Sonnenuntergang im Norden dauert ewig und wenn in den sehr frühen Morgenstunden die Sonne wieder aufgeht, ist das ein magischer Moment. Bei schönem Wetter. Bei Wind und Regen ist dieses Highlight leider getrübt.
Ab drei Uhr morgens ist keine Lichtanlage am Rad mehr erforderlich, denn die schwedische Sommernacht ist kurz und es wird früh wieder hell, lange bevor man die Sonne zum ersten Mal sieht.

Die lebende Legende
Apropos Tradition: Stig Larsson, genannt „Lappen”, ist der letzte verbliebene Veteran. So werden die Teilnehmer genannt, die seit der ersten Vätternrundan im Jahr 1966 jedes Jahr dabei waren. Er fährt immer noch sein altes 2-Gang-Husqvarna-Fahrrad, das er schon immer hatte. Jeans, Wollhandschuhe, Wollschal – seine Ausrüstung hat sich kaum verändert. Im Weidenkörbchen am Lenker befinden sich ein Radio und seine Verpflegung.
Wenn man Stig auf der Strecke sieht, ist das wie eine Zeitreise. Er verkörpert den ursprünglichen Geist der Vätternrundan: Es geht nicht um Carbon und Hightech, sondern ums Ankommen bzw. Rumkommen. Jahr für Jahr. Seit 60 Jahren.
Hier ein Video von 2024:
Die Kunst der richtigen Gruppenwahl
Nach 13 Teilnahmen weiß ich: Wenn man eine schnelle Zeit fahren will, sollte man am besten ab 3 Uhr morgens starten. Dann benötigt man kein Licht mehr und kann in Gruppen schnell fahren. In der Dunkelheit muss man allerdings noch vorsichtiger sein als im Hellen.
Das Problem bei Startzeiten zwischen ca. 19:30 Uhr und 21 Uhr ist, dass große, schnelle Gruppen eher die Ausnahme sind. Diese bilden sich erst, wenn nach 22 Uhr schon viele auf der Strecke sind. Aber auch dann gilt die goldene Regel: Nie das gewünschte Tempo fahren, wenn man auf eine passende Gruppe hofft! Solche Gruppen überholen einen logischerweise nicht.
Die Taktik lautet: Ein bis zwei km/h unter dem Schnitt fahren, warten, bis eine Gruppe überholt, sich hinten dranhängen und testen, ob das Tempo passt. Ist die Gruppe zu schnell? Dann lässt man abreißen, reduziert das Tempo weiter und wartet auf die nächste Gruppe. Der größte Fehler bei einer Langdistanz ist es, die Kräfte nicht einzuteilen. Eine Stunde mit einer Gruppe, die nur minimal schneller fährt, als man selbst leisten kann, macht einen kaputt. Dann werden die restlichen 200 Kilometer zur Hölle.
Aber ich selbst? Ich fahre nicht mehr in Gruppen. Schon früher war ich kein Fan von Großgruppen bei solchen Veranstaltungen. Seit meinem Unfall ist es quasi unmöglich geworden. Der Schulterblick? Fehlanzeige. Nach hinten schauen? Nur eingeschränkt. In einer Gruppe mitfahren, ohne die anderen Fahrer im Auge zu behalten? Lebensgefährlich!
Also fahre ich allein. Bereits 2024 bin ich die Vätternrundan quasi solo gefahren. 2025 sollte es nicht anders werden – bis auf die ersten 40 Kilometer vielleicht. Das macht es härter, klar. Es gibt keinen Windschatten und keine mentale Unterstützung durch die Gruppe. Aber es ist sicherer. Und ehrlich gesagt passt es zu meiner Geschichte. Wer mit einem kaputten Rücken, Asthma und 60 Jahren 315 Kilometer fährt, macht das ohnehin auf seine eigene Art.
Es ist diese Mischung aus Massenevent und persönlicher Herausforderung, aus Taktik und Durchhaltevermögen, die die Vätternrundan ausmacht.
Der Kampf im Kopf
Um einmal um den See zu kommen, braucht man eine gewisse Kondition. Klar. Aber vieles entscheidet sich im Kopf. Nach 13 Teilnahmen habe ich meine Strategien entwickelt.
Ab der Südspitze des Sees, auf Höhe Jönköping, hangele ich mich von Zehn-Kilometer-Schild zu Zehn-Kilometer-Schild. Das sind gelbe, quadratische Schilder mit dem Vätternrundan-Logo und der noch zurückzulegenden Kilometerzahl. Früher, bei der 300-Kilometer-Strecke, war das erste Schild die 290, dann die 280, 270 … Und wie ist es bei der neuen 315-Kilometer-Strecke? Ich habe keine Ahnung, ob es jetzt ein 310er- und ein 300er-Schild gibt. Darauf habe ich weder im letzten noch in diesem Jahr geachtet. Ab 200 Kilometer zurück, registriere ich im Vorbeifahren jedes Schild.


Diese Schilder sind dann meine Rettungsanker. Wenn die Beine brennen und der Kopf aufgeben will, denke ich nur: „Noch bis zum nächsten Schild.” Zehn Kilometer. Das sind bei meinem Tempo etwa 20 Minuten. Das schafft man immer. Und dann noch mal. Und noch mal. So zerlegt man eine lange Distanz in verdauliche Häppchen.
Andere hangeln sich mental von Depot zu Depot. Köttbullar in Jönköping, Lasagne in Hjo … Auch für mich sind das mentale Ankerpunkte, auch wenn ich bei diesen größeren Depots in der Regel nicht anhalte. Zu wissen, dass sie da sind und man dort theoretisch eine Pause einlegen könnte, beruhigt mich.

Von dem sympathischen Extremsportler Jonas Deichmann, den ich persönlich kenne und immer wieder mal treffe, habe ich in dieser Beziehung viel gelernt. Jonas fährt immer „von Schokoriegel zu Schokoriegel”. Eines seiner Bücher heißt Der Schokoriegel-Effekt: Mit einfachen Mitteln große Ziele erreichen*. Die Kunst besteht darin, das scheinbar Unmögliche in kleine, machbare Etappen zu zerlegen. Ob Schokoriegel, Kilometerschilder oder Depots – Hauptsache, der Kopf hat etwas, woran er sich festhalten kann.
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Die Ruhe vor dem Sturm
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch zeigte sich Schweden von seiner härtesten Seite. Es regnete heftig und der Wind rüttelte am Wohnwagen. Es war kalt, nass und ungemütlich. Luisa und ich lagen gemütlich in unserem kleinen rollenden Zuhause und ich dachte: Bei diesem Wetter wäre die Vätternrundan ein Höllenritt. Ich erinnere mich ungern an 2012, als ich bei solch einem Wetter weit über meine Grenzen gehen musste. Aber die YR-App – eine norwegische Wetter-App, ursprünglich für Segler entwickelt und mein treuer Begleiter seit Jahren – versprach Besserung Richtung Wochenende, was mich sehr hoffnungsvoll stimmte.
Auch von Mittwoch auf Donnerstag regnete es noch. Aber dann, am Donnerstag, kam der Wetterwechsel: Sonne! Weniger Wind, weniger Wolken, kaum noch Regen. Als ob Schweden uns zeigen wollte: Ich kann auch anders.
Am Donnerstag traf Verstärkung ein: Florian, mein Freund und Arbeitskollege, und sein Kumpel André. Die beiden hatten in Andrés schickem Ducato-Wohnmobil einen Zwischenstopp in Kopenhagen eingelegt, um die Stadt zu besichtigen, bevor sie zum Radmarathon weiterfuhren.
André ist ein Tier auf dem Rad und macht hauptsächlich Triathlon. Für die Vätternrundan hatte er extra sein Gravelbike eingepackt, damit er für Florian und mich nicht zu schnell ist. Ein feiner Zug. Wir hatten alle drei dieselbe Startzeit: 20:32 Uhr.
Spät abends, zum Sonnenuntergang, waren Luisa und ich am Varanmon-Strand. Bei schönem Wetter ist der Sonnenuntergang sensationell…



Silberne Erinnerungen
Die Tage vor dem Start haben ihren eigenen Rhythmus. Mittwoch war für mich ein besonderer Tag: Luisa und ich gingen zu Levins Guld och Silver, dem örtlichen Juwelier. Schon 2015, als ich mit 50 Jahren an der 50. Vätternrundan teilnahm, hatte das Geschäft einen Anhänger aus Sterling-Silber entworfen, der auf 25 Stück limitiert war. Damals hatte ich ihn zufällig in der Auslage entdeckt und sofort gekauft.
Zur 60. Ausgabe gab es wieder einen Jubiläumsanhänger, diesmal 45 Stück. Den musste ich haben. Jetzt trage ich beide täglich mit Stolz um den Hals. Sie sind mehr als nur Schmuck. Sie sind Erinnerungen an Momente, die mich geprägt haben. An Herausforderungen, die ich gemeistert habe. Und an die Magie dieser verrückten 315 Kilometer um den See.



Der herrliche Tag in Motala war nicht nur wegen des Silberanhängers ein Highlight.






Die Expo, Startunterlagen und die Rahmenaufkleber
Donnerstagnachmittag ging es mit Luisa zur Expo, die an diesem Tag erst wieder öffnete, nachdem sie zwischen den beiden Event-Wochenenden geschlossen hatte. Ab 17 Uhr konnten die Startunterlagen abgeholt werden: Chip-Aufkleber für den Helm zur Zeitmessung, Startnummer und natürlich der obligatorische Rahmenaufkleber.
Diese Aufkleber gibt es heute nur noch aus Tradition – und weil Teilnehmer wie ich vor einigen Jahren beim Veranstalter interveniert hatte, als sie abgeschafft werden sollten. Ursprünglich dienten die Sticker dazu, die Fahrräder der Teilnehmer zu identifizieren, die aufgaben und mit den Bussen zurück nach Motala gebracht wurden. Damals war jeder Aufkleber individuell und trug die Startnummer. Seit man wegen der Eventfotografie die große Startnummer vorne am Lenker trägt, sind die Rahmenaufkleber eigentlich überflüssig.
Für echte Vätternrundan-Liebhaber sind sie jedoch Trophäen. Je mehr Aufkleber ein Fahrrad hat, desto größer ist die Ehre. Als sie abgeschafft werden sollten, war mein Blog in Deutschland zu Vätternrundan-Themen die Nummer eins. Ich war sowas wie der inoffizielle Vätternrundan-Botschafter Deutschlands, und veröffentlichte meine Texte auch auf dem schwedischen Blog cykla.se. Entsprechend beschwerten sich viele deutsche Teilnehmer bei mir persönlich.
Die Aufkleber blieben uns erhalten, allerdings ohne individuelle Startnummer und nur auf Nachfrage. Dennoch prima.
Shopping und Selfies
Im Event-Zelt von Craft gab es alles, was das Herz an Merchandise-Artikeln für Vätternrundan begehrt: ein schwarzes Funktionsshirt mit 60er-Logo, ein grünes Shirt aus Baumwolle, einen wärmenden Kapuzenpulli, eine Rad-Cap, das offizielle Jersey mit Bib, Socken und Armlinge mit VR-Logo. Ich hätte den halben Laden kaufen können, hielt mich aber zurück. Ein grünes und ein schwarzes T-Shirt, ein Kapuzenpulli und eine Mütze mussten reichen.
Was mich wirklich überraschte: Wie viele Leute mich erkannten! Bei der Startnummernausgabe, auf der Expo und am Campingplatz. Nicht nur vom Blog, sondern auch von YouTube und Instagram. „Bist du nicht CyclingClaude?” – „Kann ich ein Selfie mit dir machen?” Luisa war ein kleines bisschen stolz auf mich. Und ich? Ich freute mich über jeden Kontakt.
Der Höhepunkt war, dass mich im Startblock, eine Minute vor dem Start, noch jemand um ein Selfie bat. Er hatte mich gerade erkannt. Verrückt!
Mein 2011 als persönlicher Blog gestartetes Hobbyprojekt verbindet mich mittlerweile mit so vielen lieben Menschen. Das hätte ich nie gedacht. Es macht die Vätternrundan noch spezieller, denn es geht nicht nur darum, die 315 Kilometer zu fahren, sondern auch darum, Teil einer Community zu sein, die diese Leidenschaft teilt.
Nach der Expo war noch Zeit für eine lockere Ausfahrt, um die Beine zu bewegen, aber nicht zu überanstrengen. Schließlich wird es in Motala um Juni spät dunkel. Danach: Noch einmal das Rad checken – passt alles? Habe ich genug Luft in den Reifen? Ist die Kette frisch gewachst? Ist die Schaltung justiert?
Ja, gewachst. Ich wachse meine Ketten seit Jahren heiß. Der Vorteil ist minimal und kaum spürbar. Aber mental hilft es. Und es ist auch praktisch: Die Antriebsteile verschmutzen durch das Wachs so gut wie nicht und halten wegen der geringeren Reibung länger. Marginal Gains nennt man das – die Summe vieler kleiner Verbesserungen. Bei 315 Kilometern zählt jedes Detail.
Und dann das Wetter checken. Immer wieder. Als ob sich dadurch etwas ändern würde. Die Vorhersage für Freitag? Besser als befürchtet und in jedem Fall machbar. Nach allem, was ich in den letzten Jahren durchgemacht hatte – Regen 2012 und 2016, Gegenwind 2014, Hitze 2017 und eine saukalte Nacht 2024 – würde mich so schnell nichts mehr schocken.
Die letzten Vorbereitungen
Dann war es Zeit, die passende Kleidung bereitzulegen und die Verpflegung in meine beiden Cyclite-Taschen zu packen. Die Oberrohr- und Rahmentaschen beherbergten neben meinen Riegeln und Energiegummis nur das Nötigste: zwei Ersatz-TPU-Schläuche, eine Minipumpe und Reifenheber. Mehr braucht man nicht – hoffentlich.
Klamottenmäßig wollte ich dieses Jahr auf Nummer sicher gehen. Lieber zu warm angezogen als zu dünn und zu kalt. Ausziehen kann man immer noch. Die Wettervorhersage kündigte nachts rund um den See minimal 10 Grad an. Aber ich war gewarnt: Letztes Jahr waren 8 Grad vorhergesagt, doch in Seenähe sank das Thermometer in der sternklaren Nacht auf 2 Grad. Ich hatte stundenlang gefroren wie ein Schneider.
Nie wieder. Meine Outfit-Wahl für den Start: Kurze Bib, Knielinge, wärmende Überzieher für die Schuhe, dünne Merinosocken, Baselayer, Trikot, Weste, dünne Armlinge, kurze Handschuhe, Radmütze und Windfree Ohrenschützer. Klingt nach viel? Jedes Teil hat seinen Sinn.
Der Helm: Abus Gamechanger – gut durchlüftet, aber oben geschlossen. Perfekt für kühle Nächte. Statt meiner Brille mit optischen Gläsern entschied ich mich für Multifokalkontaktlinsen und die elektronisch abdunkelnde Out Of Bot 2+ Clear. Die hellste Stufe ist nur leicht getönt – ideal für mondhelle Nächte. Im Nachhinein die richtige Entscheidung.
In die Rückentasche kam meine leichte Rapha Brevet Jacke mit Polartec Alpha Isolation. Beste Wärmeleistung bei geringstem Packmaß. Dazu leichte Fingerhandschuhe und eine dünne Merinomütze – für alle Fälle. Spoiler: Beides brauchte ich nicht. Die Temperatur fiel zwar auf 4 Grad in der Nacht und die Jacke kam zum Einsatz, aber die Finger blieben gut durchblutet und die Radmütze unter dem Helm reichte völlig, dank Windfree.
Die Entdeckung des Jahres: Windfree
Windfree-Ohrenschützer: Diese Dinger verdienen einen eigenen Absatz. Es handelt sich um zwei Ohrenschalen aus Schaumstoff, die mit einem Plastikbügel verbunden sind. Gut aussehen? Fehlanzeige. Aber bei der Vätternrundan sieht man seit Jahren viele Teilnehmer damit um den See fahren.
Diesmal war der schwedische Erfinder mit seinem Stand auf der Expo, und ich sicherte mir ein Paar zum Messepreis. Auf Amazon kosten sie knapp 35 Euro*, was für Schaumstoff und Plastik relativ teuer ist. Aber der Erfinder produziert nicht in Massen, wie man es von Temu kennt.
Ich war erstaunt, wie gut sie das Windgeräusch unterdrücken. Sie sitzen druckfrei auf den Ohren und dämpfen das Windgeräusch drastisch. Resultat: Man hört viel mehr von der Umgebung (oder den Podcast über Knochenschallkopfhörer und die Umgebungsgeräusche). Ein weiterer Vorteil ist, dass die Ohren bei Kälte nicht frieren. Bei 30 Grad sind sie allerdings untragbar. Das habe ich später im Sommer getestet. Aber wann wird es bei der Vätternrundan schon so warm?
Jetzt verstehe ich, warum so viele Schweden diese komischen Dinger tragen. Ich jetzt auch, wenn es nicht so heiß ist. Notiz an mich selbst: Manchmal muss man über seinen modischen Schatten springen.
Die Verpflegung
Meine Verpflegungsstrategie hat sich im Laufe der Jahre stark verändert. Früher, als ich wegen meiner persönlichen Bestzeit nur einmal – am Wasserdepot nach 142 km – anhielt, hatte ich immer 15 bis 20 Gels dabei. Mittlerweile kann ich Gels aber nicht mehr sehen.
Heute esse ich leckere Riegel von Clif Bar oder deren Fruchtgummis. Mein Geheimtipp sind aber die Salty Bar Energieriegel von 4Endurance: Sie sind nur bedingt salzig, eher leicht süß und richtig lecker.
Nicht zu vergessen das Schlaraffenland in den Depots! Ich wollte diesmal maximal an zwei Depots halten und nicht an den großen in Jönköping und Hjo.
Aber der Vollständigkeit halber sei erwähnt: In Jönköping gibt es u.a. Köttbullar (Fleischbällchen) und in Hjo Lasagne. Außerdem, wie in den anderen sieben Depots: Warme Blaubeersuppe, Salzgurken, süße Brötchen, Bananen… Und ganz wichtig für die Nacht: heißer Kaffee!
Florian und André wollten mehr Depots mitnehmen. Das war schon vorher klar. Warum nicht? Eine entspannte Herangehensweise an die Strecke ist nicht verkehrt. Warum soll man hetzen, wenn man die Landschaft und das Essen genießen kann?
Beinahe hätte ich die Getränke vergessen. Zwei große Keego-Flaschen kommen mit – natürlich Keego, was sonst? Schließlich schmeckt reines Wasser aus den quetschbaren Flaschen mit Titan-Innenbeschichtung immer lecker nach Wasser – und nicht nach Plastik. Auch wenn ich das ganze Jahr über auf dem Rad nur Wasser trinke, kommt bei der Rundan Pulver rein. Diesmal habe ich mich für den NRGY Unit Drink 90 von 4endurance entschieden. Ich habe es einmal auf einer 200-km-Fahrt getestet und gut vertragen. Florian war beim Test im Mai dabei. Ihm war das Getränkepulver zu süß.
Früher hatte ich immer noch Päckchen mit „meinem Pulver” zum Nachfüllen dabei. Die letzten zwei Jahre habe ich meine leer getrunkenen Flaschen einfach mit Enervit-Getränk im Depot aufgefüllt. Weniger Gepäck, weniger Stress. Schließlich muss es keine Bestzeit mehr sein.
Das goldene Accessoire
Ein letztes Detail zu meinem Outfit für die 60er-Runde: Im April saßen mein Bruder Olli, unser Freund Michael von Berner-Bikes-Mallorca und ich nach einer Ausfahrt bei einem Bier an der Playa de Palma. Da kam einer der „Helmuts” vorbei – so nennt man die Straßenverkäufer. Ich kaufte ihm drei fette, goldene Mallorca-Plastikketten ab. Solche, die Sauftouristen gerne im Bierkönig tragen.
Aus Spaß sind wir am nächsten Tag mit den Ketten um den Hals von der Playa de Palma im Süden bis zum Strand von Can Picafort im Norden geradelt. Natürlich waren wir überall der Hingucker. Jeder Radsportler grüßte uns lachend.


Damals dachte ich: Wenn ich das auf Mallorca kann, kann ich das auch in Schweden. Mit 60 sollte einem im Leben nichts mehr peinlich sein. Also ging ich mit der goldenen Mallorca-Kette um den Hals an den Start der Vätternrundan. Die 60. Ausgabe verlangte nach einem besonderen Accessoire. Und goldener konnte es nicht werden.
Der Renntag – Project 60 wird real
Freitag, der 13. Juni 2025: Der Tag war gekommen. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite: Sonne, kaum Wind, perfekte Bedingungen. Auf dem mittlerweile proppenvollen Campinggelände herrschte nervöses Treiben. Jeder war mit seinem Rad beschäftigt.

Transponder auf die Helme kleben, große Startnummern an die Lenker, Beleuchtung checken. Die Rüganer-Truppe putzte wie immer akribisch ihre Ketten mit Zahnbürsten, was mir dank meiner gewachsten Kette erspart blieb. Die glänzte sowieso.
Mein Canyon Endurace CFR war seit der Anreise startklar. Ich hatte eine Oberrohrtasche und eine Rahmentasche von Cyclite dabei – ultraleicht, wasserdicht und mit genug Platz für alles Wichtige. Als Rücklicht diente mein Radar von Magene, das nicht nur leuchtet, sondern auch vor herannahenden Fahrzeugen warnt. Vorne kam die Lupine SL AF zum Einsatz, ein StVO-konformes Leuchtmonster mit Fernlicht, das sich per Bluetooth-Bedieneinheit zuschalten lässt. Der entsprechend große Akku war mit Klettband oben auf dem Oberrohr befestigt.
Es fehlten nur noch die Startnummer und der traditionelle Rahmenaufkleber. Den Aufkleber klebte ich, leider wie immer etwas schief, aufs Oberrohr. Bei der Startnummer wurde ich kreativ, denn ich hasse es, wenn so ein großer Lappen Papier vorne am Lenker flattert. Also schnitt ich alles bis auf die Nummer weg und klebte sie hochkant mit doppelseitigem Klebeband vorne aufs Steuerrohr. Perfekt! Mein doppelseitiges Klebeband machte prompt die Runde bei den anderen. „Hast du noch was davon?” – „Geniale Idee!” Manchmal sind es die kleinen Dinge.


Die traditionelle Pasta-Party gab es bei uns schon am Donnerstagabend. Am Wettkampftag kommt Leichteres auf den Tisch.
Während wir unsere Räder zurechtmachten, bereitete Luisa für Florian, André und mich Lachs mit Pellkartoffeln zu. Der Magen sollte schließlich nicht zu voll sein.
Nach dem Mittagessen legten wir uns hin. Ohne Ohrstöpsel und Augenklappe war an Dösen oder Schlafen am Wettkampftag nicht zu denken. Aber dafür war ich gerüstet.
Luisa genoss derweil das Leben am Varamon-Strand. Herrlich, oder?


Gegen 17:30 Uhr wurde ich wieder wach. Ich aß eine Kleinigkeit und ging noch einmal gut auf die Toilette. Wichtig! Dann begann das Ritual des Anziehens.
Zuerst der Sitzbereich! Bevor die Sitzcreme draufkommt, eine Schicht Voltaren Gel. Das betäubt die ersten Hautschichten leicht – zumindest rede ich mir das ein. Ob’s wirklich was bringt? Keine Ahnung. Aber ich mache das seit meiner ersten Rundan 2010; also quasi aus Tradtion. Nachdem das Voltaren getrocknet ist, kommt die Sitzcreme zum Einsatz– reichlich, überall wo es reiben könnte. Viel hilft viel.

Dann die Bib, Baselayer, Trikot… die Reihenfolge beim Anziehen kennt jeder Radsportler.
Nach dem Anziehen noch ein weiteres Ritual. Ich fahre die Vätternrundan nie, ohne vorher eine Immodium gegen Durchfall eingenommen zu haben. Gelernt habe ich das ich aus Wiegald Bonings Bestseller „Bekenntnisse eines Nachtsportlers“. Man soll immer die Balance zwischen Magnesium und Imodium finden, heißt es dort.
Dank Immodium musste ich noch nie während der Vätternrundan groß auf die Toilette – egal, wie viele Gels und Riegel ich mir reingepfiffen hatte. Darmkrämpfe? Fehlanzeige.
Und nach der Rundan? Ganz normaler Stuhlgang. Für mich ist das perfekt.
Ab zum Start
Luisa begleitete Florian, André und mich zum Start. Wir waren bewusst früh da und trafen uns noch mit einigen Lesern des Blogs. Einser, Timon, stand sogar im selben Startblock mit uns.
Meine frühe Ankunft im Startbereich ist kein Zufall: Ich möchte die Atmosphäre aufsaugen und – ganz wichtig – möglichst viel pinkeln, damit ich nicht schon nach 50 km anhalten muss. Toilettenwagen gibt es am Marktplatz genug. Also besser vor dem Rennen öfter mal gehen.
Am Start gibt es drei große Startkanäle, die etwa 60 Teilnehmer aufnehmen können. Über den Eingängen leuchtet die Startzeit des jeweiligen Blocks. Vorne befindet sich eine riesige Leinwand mit Live-Übertragung. In jedem Startblock steht ein Moderator, der in den Warteminuten Leute im Startblock interviewt. Dazwischen ertönt motivierende Musik aus den Lautsprechern. Die Stimmung ist elektrisch.
Der Star des Startblocks
Als über den linken Startblock 20:32 Uhr aufleuchtete, war ich einer der ersten im Block. Die beiden Nachbarblöcke waren schon voll und warteten auf ihre Startsignale um 20:28 bzw. 20:30 Uhr. Ich hatte mich gerade relativ weit vorne aufgestellt, als sich jemand nach vorne schlängelte und mich um ein Selfie bat. Offenbar kannte er mich, aber nach dem Foto war er gleich wieder weg. Schade, das Foto hätte ich gerne gehabt.
Derweil war ich dem Moderator unseres Startblocks aufgefallen: goldenes Tikot, fette Goldkette um den Hals, Vätternrundan-Tattoo am Bein. Jackpot für ihn!
Unverhofft hatte ich das Mikrofon unter der Nase und erzählte (vermutlich) einigen Blödsinn. Der Moderator war von meinem Vätternrundan-Tattoo begeistert, und überlegte laut, nächstes Jahr einen Tattoo-Service beim Event anzubieten.
Wir waren noch am Quatschen, da ging es auch schon los. Als der Block losrollte, hatte ich noch nicht eingeklickt. Erst als Fünfter oder Sechster kam ich raus und versuchte gleich zu überholen – schließlich hätte ich direkt hinter dem Führungsmotorrad fahren wollen, das jede Gruppe geordnet bis zur Stadtgrenze geleitet. Noch innerhalb der Stadt, nach ungefähr 500 Metern, bemerkte ich den Patzer: Ich hatte meinen Wahoo ELEMNT ACE nicht gestartet! Mist. Gepennt, wie schon 2024. Nun fehlen erneut die ersten 500 Meter auf Strava.
40 Kilometer im Pulk – dann reicht’s
Außerhalb der Stadt, nachdem das Motorrad abgedreht war, formierten wir uns. André und Florian schlossen auf, und wir fuhren zu dritt weiter. Auf dem Weg Richtung Vadstena hatte sich aus uns eine größere Gruppe gebildet. Ich mittendrin, aber immer mit einem halben Meter Abstand zum Vordermann. Sicherheit geht vor.

Es lief gut, war aber anstrengend. Und meine Vorsicht zahlte sich aus: Nach knapp 40 km, bei schnellem Tempo, passte vorne jemand nicht auf. Es wurde scharf gebremst. Du kennst das: Einer bremst, der Nächste etwas später, der Übernächste noch später … Ich ging für eine Sekunde voll in die Eisen und konnte gerade noch verhindern, aufzufahren. Wäre ich direkt am Hinterrad gewesen, hätte ich keine Chance gehabt. Der hinter mir hatte mehr Probleme, fuhr mir aber zum Glück nicht rein. Glück.
Mein Entschluss stand fest: Ich gab Florian und André Bescheid und lies mich aus der Gruppe fallen.
Von nun an war ich allein. Allein im Wind, aber sicher.
Die schwedische Sommernacht
Zum Glück hatten wir wenig Wind und die Temperatur war noch angenehm. Immer wieder sammelten sich kleine Gruppen hinter mir – manche Fahrer blieben, andere konnten mein Tempo nicht halten. Schnellere sprangen von meinem Hinterrad an überholende Gruppen. So ist das beim Solo-Fahren: Man wird zum temporären Zugpferd für wechselnde Mitfahrer.
Was die Vätternrundan so besonders macht, sind die Schweden selbst. In jedem Dorf, an jeder Ecke: Vätternrundan-Partys in den Vorgärten. Menschen, die die ganze Nacht durchfeiern, um uns anzufeuern. „Heja, heja, heja!“ – immer wieder hallt dieser Ruf durch die Nacht und den nächsten Tag.
Die Schweden verstehen es, aus diesem Event ein Volksfest zu machen. Kinder mit selbstgemalten Plakaten, Erwachsene mit Bier und Grill, ganze Familien, die Spalier stehen. Mitten in der Nacht.
Sonnenuntergang und Zuckerstangen
Die Sonne ging langsam unter und legte die Landschaft in glühendes Rot. Der See neben uns, die untergehende Sonne hinten von fünf Uhr. Eine Wahnsinnsatmosphäre. Diese magischen Momente sind es, die man nie vergisst.
Mein erstes mentales Zwischenziel wie jedes Jahr: Gränna, die Zuckerstadt. Gränne ist in Schweden berühmt für handgemachte Bonbons und Zuckerstangen. Luisa und ich hatten auf der Hinfahrt schon kiloweise eingekauft. Die Salz-Karamell-Bonbons sind sensationell. Während meiner Durchfahrt mit dem Rad waren die Geschäfte natürlich geschlossen. Bonbons kaufen während der Vätternrundan? Dafür wäre dann doch keine Zeit.
Aber Gränna bleibt jedem Teilnehmer trotzdem in Erinnerung. Gleich am Ortseingang beginnt eine lange Kopfsteinpflaster-Passage. 2010, bei meiner Premiere, war das der Horror. Mein Red Bull Rennrad (die damalige Rose-Marke) mit Alurahmen und 23mm Reifen mit 8 bar war knüppelhart. Ich wurde auf dem Kopfsteinpflaster durchgeschüttelt wie im Cocktailshaker.
Die Evolution des Materials
2011 war ich schon auf Carbon unterwegs: Ein Rose mit 10fach Dura-Ace aus der Konkursmasse eines Continental-Teams. Trotz 8 bar in den 23mm Conti 4000 flexte der Carbonrahmen die Erschütterungen weg. Eine Offenbarung!
2015 dann die Krönung: Zum 50. Geburtstag hatte ich mir ein Litespeed T5 Titanrad aufgebaut, wenn ich mich recht erinnere, schon mit 25mm Reifen. Der Komfort dieses Rennrads war unglaublich. Ich dachte damals, ich würde nie wieder zu Carbon zurückkehren.
Aber mein jetziges Canyon Endurace CFR hält locker mit. Heute, mit 32mm breiten René Herse Stampede Pass Extralight Reifen und leichten TPU-Schläuchen mit knapp 4 bar, hat das Kopfsteinpflaster in Gränna jeglichen Schrecken verloren. Enorm, was modernes Material heute kann.
Dunkelheit und Ohrwürmer
Mittlerweile war es dunkel geworden. Aber mit meiner Out Of Bot 2+ Clear konnte ich in der klaren Nacht noch gut sehen. Die elektronische Brille in ihrer hellsten Stufe – perfekt für mondhelle schwedische Sommernacht, und in einer Sekunde abdunkelnd, sobald die Sonne aufgeht.
Nächster Fixpunkt: Jönköping an der Südspitze des Sees. Wenn man dort ankommt, hat man etwas mehr als 100 km auf der Uhr. Ein Drittel der Strecke abgehakt. Das Depot in Jönköping hatte ich nur 2010 besucht, seither nicht mehr. Auch diesmal nicht.
Aber 2010 bleibt mir unvergessen: Ich war mit Tino und seinem Bruder Veit unterwegs. Die beiden ließen sich in der Halle massieren, während ich auf einer Bank saß und wartete. Aus den Lautsprechern dröhnte „Satellite“ von Lena – sie hatte damit wenige Wochen vorher den Eurovision Song Contest gewonnen. Seitdem ist der Song in meinem Kopf. Jedes Jahr. Bei jeder Vätternrundan.
Ein weiterer Ohrwurm für Schweden-Fahrten: „Euphoria“ von Loreen, ESC-Siegerin 2012 in Baku. Für mich der perfekte euphorisierende Song bei Langstrecken. Und dann ist da noch Måns Zelmerlöw, der 2015 mit „Heroes“ gewann und – wenn ich mich recht erinnere – 2016 selbst bei der Vätternrundan mitfuhr.
„Heroes“ – Helden. Passt perfekt zur Vätternrundan. Jeder, der es um den See schafft, ist ein Held. Ein Vätternheld.
Jugend und Wehmut in Jönköping
In Jönköping, der größten Stadt am Vätternsee, ist natürlich auch nachts was los – besonders am Wochenende vor Midsommar. Das Schuljahr geht zu Ende, und die Abgänger und zukünftigen Studenten feiern extrem.
Die Jungs: schwarze Anzüge, weiße Hemden, Schirmmützen wie bei Studentenverbindungen. Die Mädchen: schicke weiße Kleidchen. Jedes Mal denke ich, dass sie furchtbar frieren müssen. Aber Alkohol spielt bei diesen Feiern vermutlich eine tragende Rolle – und Alkohol wärmt.
Wenn man Freitag auf Samstagnacht durch Jönköping radelt, sieht man überall diese feiernden jungen Menschen. Man freut sich über deren Zukunft und trauert ein wenig der eigenen Jugend nach. So ist das Leben. Mit 60 durch die Nacht zu radeln, während die 18-Jährigen ihre Zukunft feiern.
In die Nacht hinein
Wenn man Jönköping verlässt, um die Südspitze des Vätternsees herum ist, wird es die nächsten Kilometer etwas öde. Rechts sieht man den See nicht mehr – was im Dunkeln sowieso schwierig ist. Das erste Drittel der Strecke ist abgehakt. Nicht nur im Kopf, auch in den Beinen.
Nun gilt es, mental die nächsten Ankerpunkte zu setzen, statt ins schwarze Loch der Nacht zu fallen. Aus meinen vielen Teilnahmen kenne ich die Strecke gut: Hjo nach etwa 172 km ist der nächste „große Anker“ in meinem Kopf. Dort gibt’s Lasagne im Depot – überraschend lecker. Zumindest war das 2010 bei meiner Premiere so und 2024 ebenfalls.
Aber 2024 hatte ich dort eine schlechte Erfahrung gemacht: Zu dünn angezogen für die 3-5 Grad in der Nacht, genoss ich die Wärme im Zelt. Lasagne, Käsebrote, Aufwärmen. Der Fehler: Wieder draußen war der Kälteschock brutal. Ich zitterte so heftig, dass ich kaum aufs Rad kam. Fünf Kilometer brauchte ich, bis das Zittern aufhörte – gefroren habe ich trotzdem weiter.
Deshalb sollte diesmal Fagerhult mein Depot werden – Kilometer 135. Letztmals war ich dort 2010 gewesen.
Party und süße Brötchen in Fagerhult
Nach 4:55 Stunden Bruttofahrzeit war ich da. Kurz vor dem Depot feierten Anwohner heftig, eine große Boombox am Zaun beschallte die vorbei radelnden Teilnehmer. Die Musik peitschte mich auf – kurz wollte ich vorbeifahren. Aber die Vernunft siegte.
Rechts raus, Rad in Sichtweite abgestellt, kurz zum Dixi, dann ans Buffet: Kaffee, süße Brötchen, warme Blaubeersuppe, Salzgurken, nochmal süße Brötchen, und nochmal süße Brötchen. Die Dinger sind genial – süß, weich, perfekte Kohlenhydrate für die Nacht.
Meine Flaschen mit Enervit aus den großen Containern aufgefüllt… da lief mir Florian über den Weg, gerade mit André angekommen. Die beiden waren auf der Strecke schneller als ich, hatten aber bis dahin jedes Depot mitgenommen. Sie wollten quatschen, aber ich wollte weiter. Noch zwei süße Brötchen in die Oberrohrtasche, eins auf die Hand, und zurück auf die Strecke.
18 Minuten hatte ich gebraucht. Für Tempofahrer viel zu lang – die schaffen das in fünf Minuten. Aber als einzelkämpfender Radtourist darf’s im Depot auch mal länger dauern.
Das nächste geplante Depot: Askersund nach 256 km, am Beginn des neuen Streckenabschnitts. Von dort nur noch knapp 60 km bis ins Ziel. Man kann Motala fast schon riechen.
Karlsborg – das Highlight in der Morgendämmerung
Zwischen Fagerhult und meinem nächsten geplanten Stopp in Askersund liegt Karlsborg – nach etwa 205 Kilometern. Schon vorher bekommt man im Anflug ein mentales High, wenn auf dem Wahoo die 200 aufleuchtet. Früher, bei 300 km Gesamtstrecke, waren das genau zwei Drittel. Jetzt, bei 315 km, ist es kurz hinter Karlsborg, wenn das zweite Drittel im Sack ist.
Karlsborg selbst ist sensationell. In schneller Fahrt fährt man im 90-Grad-Winkel auf den See zu. Nach links führt die Strecke am Seeufer weiter, nach rechts geht’s zum Depot Die 1,5 km am Seeufer entlang durch Karlsborg – eine Augenweide.
Als ich durchfuhr, war es schon hell, aber die Sonne stand noch sehr tief über dem See. 2024 war es magisch: Genau als ich im 90-Grad-Winkel auf das Seeufer zufuhr, ging die Sonne über dem Horizont auf. Wahnsinn! Die Glückshormone schossen durch den Körper.

Ab etwa 3 Uhr ist es hell genug zum Fahren ohne Licht. Aber wenn man dann zum ersten Mal die Sonne sieht… Vorsicht: So früh am Morgen wärmt sie noch nicht. Und wenn man sie nach Karlsborg im Wald wieder aus den Augen verliert, wird die Hoffnung auf die nächste Sonnensichtung zum mentalen Anker für den nun folgenden, langen und zähen Streckenabschnitt.
Die Waldpassage – mein persönlicher Kampfabschnitt
Jeder hat Streckenteile, die er nicht mag. Bei mir sind es die 40-45 km irgendwann hinter Karlsborg bis kurz vor Askersund. Wald, Wald, nichts als Wald. Den See sehen? Vergiss es. Nur Bäume und Straße. Und die ist wellig, mit einigen zornigen Buckeln. Das zieht dir die Kraft aus den Beinen und aus dem Kopf.
Früher stand oben auf einem dieser Buckel ein Prediger. Über sein Megaphon gab er unermüdlich Gottes Segen an alle Fahrer die vorbei radelten, klatschte mit Tausenden ab. Die Vorfreude darauf machte diesen eintönigen Abschnitt erträglich.
Seit der Prediger nicht mehr kommt – vermutlich ist er zu alt geworden – hangele ich mich von gelbem Schild zu gelbem Schild. Das 100-km-Schild kommt kurz nach Karlsborg. Dann 90 km, dann 80 km, 70 km…
Zehn Kilometer… die schaffst Du noch. Und dann noch mal. Und noch mal. So kämpfte ich mich immer durch diesen Waldabschnitt, während die Beine schwerer werden und der Kopf anfängt, komische Gedanken zu produzieren.
Askersund und dann die Kür
Vermutlich könnte man sich diesen Waldabschnitt mit einem Halt in Boviken erträglicher gestalten. Aber weil ich in Askersund raus wollte, machte Boviken für einen Halt keinen Sinn.
Aber Askersund auslassen? Auch keine Option. Danach kommt nur noch Godegård als letztes Depot vor dem Ziel. Aber wer hält schon beim letzten Depot, wenn Motala keine 30 km mehr entfernt ist? Nur wenn’s gar nicht mehr anders geht.
2025 lief es muskulär überraschend gut. Die Füße, mit denen ich auf langen Strecken eigentlich immer Probleme habe, quälten mich weder mit Schmerzen noch mit Taubheit. Die neuen BONT Vapor SL – perfekt! Großer Dank an die Brüder und Inhaber von reins.cc, die mir im Mai pragmatisch eine große Auswahl an BONT-Schuhen geschickt hatten, damit ich den passenden Schuh finde. Top Service, top Preise bei reins.cc.
Rücken und Nacken waren ein anderes Thema. Aber dafür gibt’s Ibuprofen. Zwei 400er machten die Schmerzen einigermaßen erträglich. Ohne? Keine Chance. Man kann auf Langstrecken vieles „wegdenken“, aber mein kaputter Rücken lacht über solche Methoden.
Die Doping-Frage
Sind zwei Ibuprophen schon Doping? Und das Salbutamol, das ich kräftig inhalieren muss?
Die ehrliche Antwort: Bei einem Radmarathon für Jedermann interessiert das niemanden. Ibuprofen steht nicht auf der Dopingliste, Salbutamol ist mit ärztlichem Attest erlaubt. Aber ja, ohne meine Medikamente würde ich nicht um den See kommen.
Die Vätternrundan ist zum Glück kein Wettkampf. Es gibt keine Sieger, nur Finisher. Ich kämpfe nicht gegen andere, sondern immer nur gegen mich.
Endspurt ab Askersund
Irgendwann hatte ich den öden Streckenteil überwunden. Askersund erreicht, durch das Städtchen, ab ins Depot. Die Sonne wärmte schon etwas. Zwei heiße Kaffee, dann die übliche Verpflegung wie in Fagerhult. Die Salzgurken mit etwas Gurkenwasser – herrlich! Nach der ganzen Nacht mit fast nur Süßem eine leckere Abwechslung.
Auch hier blieb ich knapp 20 Minuten. Gerne hätte ich mich länger aufgehalten, aber gleichzeitig wollte ich die Reststrecke wegballern. Kraft hatte ich noch.
Schnell die wärmende Rapha-Jacke in die Rückentasche verstaut – und wieder auf die Strecke. Auf dem Rad war mir ohne Jacke zunächst zu kalt. Das hätte ich mir vorher denken können. Aber ich hielt nicht mehr an.
Weiter, immer weiter, immer noch in Alleinfahrt. Manchmal überholte ich, manchmal wurde ich überholt. Mich irgendwo konzentriert ranhängen? Dafür war ich nicht mehr aufmerksam und reaktionsschnell genug. Nach über 250 Kilometern macht der Kopf nicht mehr alles mit. Sicherheit geht vor – besonders mit meinem eingeschränkten Schulterblick.
Drama auf der Schnellstraße
Die letzten 20 Kilometer der Vätternrundan 2025 führen über eine Schnellstraße, die größtenteils einspurig für den Event gesperrt ist. An einigen Stellen bleibt aber nur ein enger Randstreifen von vielleicht zwei Metern Breite.
Genau dort musste mich eine große, lang gezogene Truppe überholen. Wegen meiner Rückenprobleme konnte ich mich nicht umschauen – unangenehm. Die Überholenden ziehen immer früher rüber. Anfangs ist noch Platz vorm Vorderrad, aber nach zehn Überholern wird’s eng. Unangenehm eng.
Plötzlich war ich mitten im Pulk, weil den vorderen Fahrern die Körner ausgegangen waren und die Gruppe an Tempo verlor. Wären sie doch hinter mir geblieben, dachte ich – da wurde vorne scharf gebremst. Kettenreaktion. Nur mit Glück kam niemand zu Fall.
Merke: Im letzten Streckenabschnitt sind alle müde, entkräftet, unkonzentriert. Direkt am Hinterrad kleben in einer Gruppe von Fremden? Lass‘ es!
Ich ließ mich nach hinten rausfallen und fuhr der Gruppe hinterher.
Die letzten drei Kilometer – jetzt wird geballert
Dann Motala. Die Strecke führt links am Z-Parken vorbei, dort wo mein Wohnwagen stand. Noch drei Kilometer. Die ballere ich jedesmal, bis die Beine platzen. Ich weiß ja, wie weit es noch ist.
Durch den Kreisel am McDonald’s, geradeaus durchs Industriegebiet. 90 Grad links, 90 Grad rechts, 100 Meter frontal auf den See zu. In die Kurve gelegt, 90 Grad links – Zielgerade!
Klar, dass ich auf diesen drei Kilometern alle aus der Großgruppe überholte, die mich vorher so genervt hatten. Die waren platt. Ich nicht.
Die offizielle Zeitnahme ist schon zu Beginn der Zielgeraden. Der Veranstalter will nicht riskieren, dass übermotivierte Teilnehmer in stehende Fahrer knallen, die gerade ihre Medaille umgehängt bekommen.
Also die letzten 100 Meter locker ausrollen lassen. Die Vätternrundan 2025 war Geschichte.
Project 60 – Mission completed




8:51 Uhr. Nach 12:21 Stunden brutto auf dem Rad rollte ich über die Ziellinie. Luisa jubelte, machte Fotos, noch bevor ich die Medaille um den Hals bekam. Das Absteigen fiel mir leicht. Keine Krämpfe, die schlagartig einsetzen – wie früher, als ich das Ding unter 10 oder 9 Stunden gefahren war.
12:21 Stunden. Früher hätte mich so eine Zeit enttäuscht. Mit 60 Jahren, kaputtem Rücken und all meinen Zipperlein? Ich bin verdammt stolz auf mich.
Florian und André kamen kurz nach mir ins Ziel. Schnellere Nettozeit, aber wesentlich mehr Depotaufenthalte. André hätte es mit dem Rennrad statt Gravel locker unter 10 Stunden reißen können. Aber man muss ja nicht. Hauptsache Radfahren, Hauptsache Spaß haben, Hauptsache Rumkommen.
Epilog: Es geht weiter
Bin ich 2026 wieder dabei? Na logisch! Wenn nichts Gravierendes passiert, ist der Event vom 12. auf den 13. Juni 2026 gesetzt. Das wäre dann meine 14. Runde. Und bei der 15. Runde (2027?) gibt’s die Medaille mit der großen 15 drauf. Die 5er und 10er Medaillen habe ich ja schon.
Ich mache weiter. Solange der Körper mitmacht. Solange die Medikamente helfen. Solange Luisa mich unterstützt. Solange es diese verrückten 315 Kilometer um den See gibt.
Wer das will, ist in Motala genau richtig. Egal ob mit 20 oder 60. Egal ob in 8 oder 18 Stunden. Jeder, der es um den See schafft, ist ein Held. Ein Vätternheld. Und selbst 80jährige schaffen es rum. Aber davon möchte ich jetzt nicht träumen.
Claude Walter, 60 Jahre, 13x Vätternrundan-Finisher – alle Berichte zu den Teilnahmen m Themenbereich Vätternrundan
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Vätternrundan – wie waren meine Eindrücke, meine Erlebnisse.
1. Botschaft: Man ist nie zu alt, um anzufangen. Mit 57 bin ich den ersten Radmarathon gefahren, was gleichzeitig auch meine 1. Vätternrundan war.
2. Botschaft: Wenn es erst einmal um das Ankommen geht und nicht um spitzen Zeiten, ist der Aufwand überschaubar. Man muss kein Spitzensportler sein. Als Vorbereitung bin ich die empfohlenen 1000 km gefahren, kein Trainingslager oder sonstige spezielle Vorbereitungen. Das Gefühl nach über 300 wieder in Motala anzukommen, unbeschreiblich.
3. Botschaft: Die Vätternrundan gehört unbestritten auf die Bucket-Liste derjenigen, die in das Abenteuer Radmarathon eintauchen.
Mit 58 kam die erste MSR dazu. Danach der Wechsel in die Kategorie „Positiv verrückt“. In dieser Kategorie zählt die Zeit nur bedingt, das Ankommen schon eher, aber aufgrund der vorhergehenden Erfahrungen, war das so gut wie immer gesichert. Es ging daher fast nur noch um den Fahrspaß und darum, den Spirit der Veranstaltung zu genießen. 3-4 Marathonveranstaltungen pro Jahr in schönen Orten und Gegenden in Europa war bis Corona dann das jährliche Programm. Unvergesslich die Starts und die Zieleinläufe in London bei der Prudential Ride.
Nach Corona dann wieder MSR und Vätternrundan. Die MSR hat sich inzwischen sehr zum Positiven gemausert. Gruß an Detlef Koepke
Die Vätternrundan startete 2022 mit fast 7000 Teilnehmern weniger als vor Corona. Aus dem genialen Lichtband der Rücklichter in der Nacht war ein einsames Fahren durch die Nacht geworden. Daran hat sich leider auch den Folgejahren nicht viel geändert. Die Vätternrundan als Veranstaltung ist immer noch hoch professionell, gut durchorganisiert, aber gefühlt ist der Spirit der Veranstaltung, wir ich ihn bei meiner ersten Vätternrundan empfunden habe, etwas unter die Räder gekommen. Wie Stig Johansson sagt: He rides against the other participants on their racing bikes and lycra suits who want to finish as quickly as possible.
2025 war ich aufgrund einer Verletzung nicht dabei. Mit Folksam schlage ich mich noch immer rum. 2026 werde ich voraussichtlich nicht die Vättern fahren und den Termin endlich nutzen, um Horst Watzl und sein Team bei „In Velo Veritas“ in Österreich zu besuchen.
Danke für Deinen Kommentar, Silas. Die MSR bin ich noch nicht gefahren. Vermutlich hat man dort auch nicht dieses „Lichtband“, weil es wesentlich weniger Teilnehmer sind. Dennoch ist das sicher auch eine tolle Veranstaltung.
M.E. ist das Lichtband in Schweden auch bei 15k Teilnehmern vorhanden, aber nur, wenn man etwas später startet, vielleicht so ab 23 Uhr.
Ich bin seit 2024 sehr früh unterwegs. Das hat für mich den Vorteil, dass ich entspannter fahren kann.
Danke Claude, das ist ein super Bericht. Habe ihn gerne gelesen und mich an meine eigene Teilnahme in diesem Jahr zurückerinnert. Das Wetter war super und das macht schonmal eine Menge aus. Viele Grüße!
Ja, Daniel, wenn das Wetter super ist, hat man schöne Erinnerungen. Ich fand meine Fahrten bei Starkregen, bspw. 2012, oder starken Winden sehr anstrengend. Im Ziel waren alle Teilnahmen klasse. Auf der Strecke musste ich oft an meine Grenzen gehen, und darüber hinaus. Das war natürlich weniger schön.
Hallo Claude,
benutzt du deine Windfree ab und an zusammen mit shokz Kopfhörern? Kann man die beiden gleichzeitig tragen?
Ja, Frank, das mache ich in der Tat. Klappt gut.
Meine erste Vätternrundan 2025
Vorgeschichte: Ich bin viele Jahre zu einem Motorradtreffen (Tändsticksträffen) nach Bankeryd (bei Jönköping) gefahren. Daher kenne ich die Gegend um den See schon fast 25 Jahre und irgendwann erfährt man im Gespräch mit den Einheimischen, dass die Vätternrundan das Event des Jahres ist, auch wenn man kein ambitionierter Radfahrer ist. Nach einem schweren Motorradunfall habe ich mich vom Joggen auf das Fahrrad verlegt, da mein linkes Knie danach nicht mehr so war wie vorher und ich deshalb die Belastung reduzieren wollte. Zunächst bin ich nur auf einem normalen Trekking Bike gefahren. Da ich jeden Tag zur Arbeit auch mit dem Fahrrad fahre kam irgendwann ein hochwertiges reisefähiges Rad mit Pinionschaltung (die beste Schaltung für Daily Rides!!!). Anfang 2024 habe ich mir dann das erste Rennrad gekauft und es reifte dann relativ schnell die Idee die Vätternrundan in Angriff zu nehmen. Ich habe mir dann genau ein Jahr Zeit für die Vorbereitung genommen.
Training: Da ich beruflich sehr eingespannt bin, war es nicht so einfach da reinzukommen. Über den Sommer bis in den Oktober habe ich dann begonnen mich mit dem Rennradfahren vertraut zu machen – so z.B. auch mit den Klickpedalen. Dabei bin ich bei gutem Wetter zunächst ab und an nach Feierabend 30- 50 km gefahren. Im Winter wurde das RR eingemottet und ich bin mit meinem Pinionrad gefahren. Die tägliche Strecke zur Arbeit 2x4km und abends wenn es irgendwie ging eine 20 oder 25 km Runde. Über 80% der Tage habe ich das auch geschafft die Abendrunde zu fahren. An den Wochenenden ging es zweimal 45 Minuten zum Schwimmen als Ausgleich. Anfang März war ich mit Familie eine Woche am Luganer See und die habe ich für ein wenig Bergtraining genutzt. So bin ich mit sehr guter Grundfitness aus dem Winter gekommen und habe dann ab Ostern wieder das RR bewegt. Ich bin dann 3 größere Strecken gefahren, 1 x 120 km, 1 x 160 km und 1 x 260 km die aber mit 2500 Höhenmetern. Die letzten drei Wochen vor der Vätternrundan bin ich dann keine großen Strecken mehr gefahren um meinen Beinen etwas Erholung zu geben.
Die Ausrüstung: Das Rennrad hatte ich ja schon. An dem Carbon Einsteigerrad von Wilier habe ich den Sattel getauscht gegen einen auf dem ich lange Strecken gut sitzen kann. Dazu kamen besser Laufräder von DT Swiss mit Conti 5000 Reifen in 28mm Breite und PU Schläuchen. Letztere beiden Maßnahmen sind deutlich spürbar gewesen. Dann habe ich mir als Bekleidung zunächst Trikot und Hose besorgt. Bei der Hose war die erste aber nicht so gut, dass die für sehr lange Strecken bei mir geeignet war und so habe ich noch eine andere kaufen müssen. Bei Hose und Sattel sind die Bedürfnisse doch sehr individuell und man muss die sehr sorgfältig auswählen. Später kamen noch Armlinge und Beinlinge dazu. Ich wusste aus Berichten der vorangegangen Jahre und nicht zu letzt durch ein Video von Claude, dass es Nachts kalt werden kann. Also habe ich ausprobiert bis zu welcher Temperatur ich damit auskomme. Bei mir geht das bis 10°C ganz gut. Allerdings habe ich festgestellt, dass man sich auf die Vorhersagen nicht verlassen sollte. Denn für die Nacht waren 10-11°C Tiefsttemperatur nach wetteronline App vorhergesagt und am Ende ging es bis 4°C. Deshalb muss man da Reserve einplanen! An Taschen habe ich eine kleine Werkzeugtasche unter dem Sattel an der ich auch eine kleine Pumpe festmachen kann, dann eine kleine Tasche auf dem Oberrohr für Smartphone Powerbank und Cleatschoner sowie eine etwas größere Rahmentasche von ca. 3 l für zusätzliche Jacke und Nuss- und Haferriegel. Zu guter letzt hat man noch Platz in Trikottaschen am Rücken. Die waren bei mir voll mit Gel.
Sonstige Vorbereitung: Zunächst stellte sich die Frage nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Da ich das Event mit einem einwöchigen Familienurlaub kombiniert habe, habe ich ein Ferienhaus in der Nähe (8km vom Start entfernt) gebucht. Das war aber Glück ich hatte bereits ein Jahr im voraus geschaut und festgestellt, dass es zum einen sehr wenig Angebote in der Nähe gibt und man auch früh buchen muss. Am Ende hatte ich Glück, weil das Haus was wir hatten wurde erst ein halbes Jahr vor dem Termin bei Novalsol eingestellt bzw. freigegeben. Zimmer in Pensionen oder Hotels sind um die Zeit verständlicherweise kaum zu bekommen und werden z.T. schon von gewerblichen Anbietern über Jahre gebucht. Also ist Camping sicher das einfachste, wobei ich auf zelten wenig Lust hätte, da das Wetter ungemütlich sein kann (siehe Bericht von Claude). Dann muss man sich überlegen wie man zum Start kommt bzw. nach dem Rennen wieder in die Unterkunft. Denn mit dem Auto in die Stadt fahren ist nicht so ideal da die natürlich voll ist und man darf nach dem Rennen 6 Stunden selber kein Auto fahren. Ich hätte die 8 km vom Ferienhaus mit dem Rad noch machen können aber mein Familie war ja mit und die wollten natürlich bei Start und Ziel dabei sein. Also sind wir mit dem Auto in ein nahegelegenes Gewerbegebiet gefahren und habe dort mein Fahrrad abgeladen und dann bin ich die verbleibenden 1,5 km mit dem Rad zum Start gerollt.
Strecken Einteilung und Verpflegung: Auch hier gilt wieder jeder ist anders und muss für sich ausprobieren was am geeignetsten für einen ist. Ich habe verschieden Leute gefragt, die sich mit solchen Langstrecken (Brevets) auskennen. Jeder hat seine eigene Strategie. Daraus habe ich einiges auf den längeren Vorbereitungsstrecken ausprobiert. Ich bin zum Glück was die Verträglichkeit angeht nicht so empfindlich und so kann ich alles möglich unterwegs essen. Allerdings musste ich ausprobieren welche Mengen ich in welchen Intervallen zu mir nehmen kann. Wichtig ist, dass man von Anfang an kontinuierich etwas zu sich nimmt und nicht erst wenn der Hunger da ist, denn dann ist es zu spät. An Trinkflaschen hatte ich 1 x 0,9 l und 1 x 0,75 l dabei. Darin hatte ich Wasser mit Maltrodextrin. Dann stellte sich die Frage nach der Startzeit. Die Zeiten nach 3 Uhr morgens sind begehrt und daher nicht immer leicht zu bekommen. Ich habe mich bewusst für eine frühe Startzeit entschieden, da ich zum Einstieg noch möglichst eine zeit lang Tageslicht haben wollte. So bin ich um 19:38 schon in einer der ersten Gruppen raus. Wie sich später rausstellt zusammen mit der Vätternrundan Legende “Stig Lappen“. Als großer Vorteil hat sich herausgestellt, dass man so immer leere Versorgungsstationen und noch saubere Dixis vorfindet. Der Nachteil ist vielleicht, dass das Mitfahren in Gruppen dann weniger gut geht, da erst wenige auf der Strecke sind. Das Tempo sollte richtige Tempo sollte man in der Vorbereitung schon für sich finden. Ich hatte mir vorgenommen mit wenigen Stopps durchzukommen. Den ersten wollte ich eigentlich in Hjo bei ca. der Hälfte machen. Da ich aber vorher schon pinkeln musste bin ich eine Station vorher in Fagerhult schon das erste Mal raus. In Hjo habe ich dann das nochmal angehalten weil es um 01:20 richtig kalt war und ich mich im Zelt da etwas aufgewärmt habe. Der dritte Stopp war dann nochmal pinkeln und einen heißen Kaffee trinken in Boviken. Den Rest habe ich dann wieder ohne Stopp gefahren.
2026: Noch ist nicht klar ob ich dieses Jahr wieder mitfahre. Lust habe ich auf jeden Fall aber ich muss sehen, ob es zeitlich dieses Jahr funktioniert. Irgendwann werde ich aber sicher wieder auf die Strecke gehen.
@ Claude machst du dieses Jahr eine Gruppe? Wenn möglich würde ich mich wenn ich fahre ggf. anschließen.
Hallo Jürgen, wow! So einen langen Kommentar hatte ich wohl noch nie. Vielen Dank. Du könntest fast einen Gastbeitrag zur VR hier veröffentlichen. Deine Erfahrung ist hilfreich für Neulinge.
Ich mache eigentlich keine Gruppe, weil ich alleine fahren muss. Aber du kannst dich ggf. für den Start anschließen. Ich starte um 20:30 Uhr. Mein Anmeldecode war 204501-z935w8. Ich weiß nicht, ob dir der Code was hilft. Team CyclingClaude, auch wenn ich eigentlich kein Team gemeldet habe.
LG, Claude