Bad Dürrheim, 7. September 2025 – Was als festlicher Abschluss des 25. Riderman-Jubiläums geplant war, endete in einer der schwersten Unfallkatastrophen in der Geschichte des deutschen Breitensports. Bei zwei aufeinanderfolgenden Massenstürzen wurden rund 70 Radfahrer verletzt, 38 mussten in Krankenhäuser transportiert werden.
Der Unfall: Sieben Minuten, die alles veränderten
Die Tragödie ereignete sich am Sonntagvormittag gegen 11:30 Uhr, nur wenige Minuten nach dem Start der dritten Etappe. Über 1.200 Radfahrer waren zur finalen Etappe des traditionsreichen Rennens gestartet – es sollte der krönende Abschluss eines bis dahin reibungslos verlaufenen dreitägigen Events werden.
Der Unfall geschah auf der Kreisstraße K5705 zwischen Bad Dürrheim und Biesingen. In einer Linkskurve kam es bei einer Geschwindigkeit von etwa 70 Stundenkilometern zu einer verhängnisvollen Fahrerverdichtung am linken Fahrbahnrand. Das kompakte Fahrerfeld, das zu diesem frühen Zeitpunkt des Rennens noch dicht beieinander fuhr, geriet außer Kontrolle.
„Es reicht halt, dass irgendwo einer das Vorderrad überlappt“, beschreibt Teilnehmer Florian Hollander die dramatischen Sekunden. „Es fielen um mich herum nur noch Leute, und ich war der Erste, der sturzfrei durchgefahren ist. Um mich rum war Chaos.“
Kettenreaktion mit fatalen Folgen
Der erste Massensturz löste eine Kettenreaktion aus. Dutzende Radfahrer stürzten ineinander und blieben auf der Fahrbahn liegen. Die Aufstauung im Rennverlauf führte wenige Meter weiter hinten zu einem zweiten Massensturz, der weitere Verletzte zur Folge hatte.
Ein Augenzeuge schildert die dramatischen Szenen: „Wir lagen übereinander, in Dreier- und Viererreihen.“ Zahlreiche Zuschauer verfolgten das Unglück live über die Großleinwand-Übertragung auf der Veranstaltungsfläche in Bad Dürrheim – ein Schock für alle Anwesenden.
Beispielloser Rettungseinsatz
Die Schwere des Unfalls wurde schnell deutlich. „Der erste Notruf meldete zehn verletzte Fahrradfahrer. Während der Anfahrt wurde die Zahl auf 20 Verletzte korrigiert“, berichtet Dirk Sautter, Organisatorischer Leiter des Rettungsdienstes. „Ich habe in meiner Laufbahn keine Einsatzlage erlebt, die sich so dynamisch entwickelt hat.“
Der Großalarm löste einen beispiellosen Rettungseinsatz aus:
- 4 Rettungshubschrauber (darunter einer aus der Schweiz)
- 26 Rettungsfahrzeuge
- 25 Sanitätsfahrzeuge
- Ein leitender Notarzt zur Koordination
Stephan Spohrer, der als leitender Notarzt den Einsatz koordinierte, berichtet von der Dimension der Verletzungen: „38 Personen mussten mit schweren Verletzungen in Kliniken transportiert werden. Davon waren 20 mittelschwer verletzt – das waren Frakturen und Weichteilverletzungen wie Schürfwunden. 17 weitere Patienten wurden leichter verletzt in überregionale Kliniken gebracht.“
„Es war beeindruckend zu sehen, wie schnell die Rettungskette funktioniert“, lobte Sautter angesichts der schnellen Hilfe von Rotem Kreuz, Maltesern und der Feuerwehr Bad Dürrheim.
Veranstalter unter Schock
Rik Sauser von Sauser Event, die das Rennen im 25. Jahr organisierten, war sichtlich mitgenommen: „Es ist uns bewusst, dass Radsport eine gewisse Gefahr mit sich bringt. Stürze gehören im Radsport dazu. Dennoch ist der Unfall sehr dramatisch und schlimm.“ Er zeigte sich froh, dass es keine Schwerstverletzungen zu beklagen gebe.
Sauser, der sich während des Unfalls bereits in einem der Führungsfahrzeuge befand und das Geschehen nicht direkt miterlebte, berichtete von den Umständen: „Die Radfahrer waren mit etwa 70 Stundenkilometern unterwegs, es handelte sich um eine leichte Abfahrt. Jemand hat mir von einem geplatzten Reifen erzählt.“
Der Veranstalter betonte, dass es einen vergleichbaren Unfall „in der gesamten Geschichte des Riderman bisher noch nie“ gegeben habe. Das Sturzrisiko gehöre aber zum Radsport dazu und lasse „sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nicht gänzlich vermeiden“.
Sofortiger Rennabbruch
Angesichts der Schwere des Unfalls entschied die Rennleitung zum sofortigen Abbruch aller Veranstaltungen. Die Radfahrer, die sich vor dem Sturzgeschehen befanden und vom Massensturz nichts mitbekommen hatten, sowie jene, die dem Unfall ausweichen konnten, wurden erst später über den Rennabbruch informiert.
Keine Fremdeinwirkung
Die Polizei konnte eine Einwirkung von außen auf das Renngeschehen ausschließen. Nach ersten Ermittlungen handelte es sich um ein unglückliches Renn- und Gruppengeschehen, ausgelöst durch die enge Fahrweise in der Linkskurve.
Der Riderman: Tradition trifft Tragödie
Der Riderman zählt zu den renommiertesten Jedermann-Radrennen in Süddeutschland und verwandelt Bad Dürrheim jährlich in ein „Mekka des Radsports“. Das dreitägige Etappenrennen lockt regelmäßig hunderte Amateur- und Hobbyfahrer an. In der Vergangenheit standen bereits prominente Radsportler wie Jan Ullrich und Simon Geschke auf der Starterliste.
Die 25. Jubiläumsausgabe sollte ein besonderes Highlight werden – stattdessen wird sie als eine der dunkelsten Stunden in der Geschichte des deutschen Breitensports in Erinnerung bleiben.
Ausblick
Die Verantwortlichen kündigten eine gründliche Aufarbeitung des Unfalls an. Ob und in welcher Form künftige Riderman-Veranstaltungen stattfinden werden, blieb zunächst offen.
Die schnelle und professionelle Hilfe der Rettungskräfte verhinderte vermutlich Schlimmeres. Für die Radsport-Community bleibt die Hoffnung, dass alle Verletzten vollständig genesen und der Riderman trotz dieser Tragödie seine Tradition fortsetzen kann.
Quellen:
- 20 Minuten: „Massensturz beim Riderman: 70 Verletzte zwingen zu Abbruch des Velorennens“
- Schwarzwald Aktuell: „Drama beim Riderman in Bad Dürrheim: Dutzende Radfahrer stürzen“
- t-online: „Amateur-Radrennen ‚RiderMan‘: Bis zu 70 Verletzte nach Massensturz“
- Badische Zeitung: „Massenunfall beim Radrennen Riderman in Bad Dürrheim“
- Sportschau.de: „Etwa 70 Verletzte Sportler nach Massensturz bei RiderMan-Radrennen“
- Schwarzwälder Bote: „Massenstürze beim ‚Riderman‘: Polizei nennt Details“
- Presseportal.de: Polizeipräsidium Konstanz, 7. September 2025
- Stuttgarter Zeitung: „Fahrradrennen: Bis zu 70 Verletzte nach Massensturz beim ‚Riderman'“
Alle Angaben basieren auf Polizeimeldungen und Medienberichten vom 7. September 2025. Stand: 21:00 Uhr.
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