Der traditionelle Butyl-Schlauch hat über Jahrzehnte treue Dienste geleistet, doch seine Zeit neigt sich dem Ende zu. Mit dem Aufkommen des TPU-Schlauchs (Thermoplastisches Polyurethan) erleben wir eine technologische Revolution, die das Radfahren grundlegend verändert. Tubless am Rennrad ist damit auch Geschichte.
Warum ich weiß, worüber ich spreche
TPU-Schläuche im Langzeittest – meine Erfahrungen seit 2019
Während andere auf Instagram und TikTok bezahlte Produkte charmant und aufreizend in die Kamera halten, gibt’s hier bei CyclingClaude seit 2011 echte Praxistests. Klar, ich halte meine Testprodukte auch mal für Social Media in die Luft – aber unbezahlt und nach tausenden Testkilometern!
Seit 2019 rolle ich ausschließlich mit TPU-Schläuchen – egal ob im Wettkampf oder beim entspannten Bikepacking. Die guten alten Butyl-Schläuche? Längst Geschichte. Und Tubeless? Hat sich bei mir auf Dauer nicht bewährt.
Mein TPU-Sortiment ist mittlerweile beachtlich: Tubolito, Pirelli, Reveloop, Continental, Eclipse, Schwalbe und Aeron. Mit allen habe schon viele ihre Runden gedreht. Nur mit den Aeron-Schläuchen konnte ich noch keine Langzeiterfahrungen sammeln. Das geschieht gerade, während du diesen Artikel liest. Erster Eindruck: Top!
Kleiner Insider-Tipp am Rande: Wusstet ihr, dass Eclipse die TPUs für René Herse herstellt? Oder dass hinter den Pirelli-Schläuchen eigentlich Tubolito steckt? Und Continental lässt bei Revoloop produzieren. Die TPU-Welt ist kleiner als man denkt!
Was sind eure Erfahrungen mit TPU-Schläuchen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!


Mein Favorit bisher: Eclipse aus Deutschland mit Aluventilschaft, am Rennrad in der Leicht- und Extraleichtvariante.
Vom noch nicht erhältlichen Extralight-Rennradschlauch von Aeron, ebenfalls mit Aluventil, erwarte ich mir ein ähnliches Produkterlebnis, bei nur 21 Gramm Gewicht.
Nicht zufrieden bin ich aus mehreren Gründen mit Schwalbe Aerothan, die aber gerade eine überarbeitete Version auf den Markt bringen, die nicht mehr problembehaftet sein soll.
Einen detaillierten Artikel über meine Erfahrungen mit den verschiedenen Anbietern erscheint demnächst auf CyclingClaude.



Was ist TPU und warum ist es überlegen?
TPU ist ein hochmoderner Kunststoff, der ursprünglich in der Industrie für besonders anspruchsvolle Anwendungen entwickelt wurde. Seine einzigartigen Eigenschaften machen ihn zum idealen Material für Fahrradschläuche: Er ist extrem elastisch, dabei aber deutlich widerstandsfähiger als herkömmliches Butyl-Kautschuk.
Gewicht: Der entscheidende Vorteil



Der augenfälligste Unterschied zeigt sich auf der Waage: Während ein Standard-Butylschlauch für ein Rennrad etwa 100-120 Gramm wiegt, bringen vergleichbare TPU-Schläuche nur 30-40 Gramm auf die Waage. Bei Mountainbike-Schläuchen ist der Unterschied noch dramatischer – hier sprechen wir von einer Gewichtsersparnis von bis zu 200 Gramm pro Laufrad. Das bedeutet: Mit einem simplen Schlauchwechsel kannst du fast ein halbes Kilogramm Gewicht einsparen.


Für den Wettkampf bieten manche Hersteller mittlerweile TPU-Schläuche fürs Rennrad, die nur wenig mehr als 20 Gramm wiegen und dennoch bei der Pannensicherheit auf Höhe eines für solche Einsatzzwecke optimierten Butylschlauches sind.


Packmaß: Klein, aber oho
Das kompakte Packmaß von TPU-Schläuchen ist ein weiterer Game-Changer. Ein TPU-Schlauch lässt sich auf die Größe einer Espressotasse zusammenfalten – ideal für die Satteltasche oder das Trikot. Superleicht-TPUs sind noch kleiner. Butyl-Schläuche benötigen hingegen das zwei- bis dreifache Volumen. Für Bikepacker und Tourenfahrer bedeutet das: mehr Platz für wichtigere Dinge.


Pannenschutz der Extraklasse
Die Widerstandsfähigkeit von TPU-Schläuchen ist beeindruckend. Standard-TPU-Schläuche sind drei- bis fünfmal resistenter gegen Durchstiche als ihre Butyl-Pendants. Das Material ist von Natur aus elastischer und kann Belastungen besser absorbieren. Besonders bei den gefürchteten Snakebites – jenen Doppellöchern, die durch harte Schläge auf Kanten entstehen – zeigt TPU seine Überlegenheit. Das Material dehnt sich stärker, bevor es reißt, und verhindert so viele Pannen, die einen Butyl-Schlauch sofort außer Gefecht setzen würden.
Selbst die ultraleichten TPU-Varianten mit nur 20-30 Gramm bieten mindestens denselben Pannenschutz wie leichte Butyl-Schläuche – bei einem Bruchteil des Gewichts.
Luftdruck und Rollwiderstand: Die versteckten Vorteile
TPU hat eine deutlich geringere Luftdurchlässigkeit als Butyl. In der Praxis bedeutet das: Wo du einen Butyl-Schlauch wöchentlich nachpumpen musst, hält ein TPU-Schlauch den Druck problemlos zwei bis drei Wochen. Die dichtere Molekularstruktur des Materials macht’s möglich. Aber es gilt auch bei TPU: je dünner das Material, je leichter der Schlauch, desto schneller entweicht die Luft.
Der reduzierte Rollwiderstand ist ein weiterer Pluspunkt. TPU ist flexibler und passt sich besser an Unebenheiten an, was zu einer effizienteren Kraftübertragung führt. Unabhängige Tests zeigen eine Ersparnis von 2-5 Watt pro Reifen – das mag wenig klingen, summiert sich aber über längere Strecken zu einer spürbaren Energieersparnis.
Der Vergleich mit Tubeless
Tubeless-Systeme galten lange als die Speerspitze der Entwicklung, doch TPU stellt auch diese Technologie in den Schatten. Ein typisches Tubeless-Setup benötigt 60-150 ml Dichtflüssigkeit pro Reifen – das entspricht 60-150 Gramm zusätzlichem Gewicht. Ein vergleichbarer TPU-Schlauch wiegt nur 30-40 Gramm.
Hinzu kommt: Tubeless-fähige Reifen sind schwerer konstruiert als ihre Standard-Pendants. Die verstärkte Karkasse und die luftdichte Innenbeschichtung addieren weitere 50-100 Gramm pro Reifen. Mit TPU sparst du also doppelt.
Die praktischen Nachteile von Tubeless sind ebenfalls nicht von der Hand zu weisen: Die Dichtmilch muss alle drei bis vier Monate erneuert werden, um ihre Wirksamkeit zu behalten. Die Installation ist oft eine klebrige Angelegenheit, und unterwegs ist eine Reparatur deutlich aufwendiger als ein simpler Schlauchwechsel.


Installation und Handhabung
Die Montage von TPU-Schläuchen erfordert etwas Fingerspitzengefühl. Das Material ist glatter als Butyl und kann bei unsachgemäßer Handhabung leichter eingeklemmt werden. Wichtig: Pumpe den Schlauch vor der Montage minimal auf, damit er Form annimmt.
Bei der Reparatur unterwegs zeigt sich ein weiterer Vorteil: TPU-Schläuche lassen sich mit speziellen TPU-Flicken dauerhaft reparieren. Die Verbindung ist oft sogar haltbarer als bei Butyl-Reperaturen.


Der Kostenfaktor
Der einzige Wermutstropfen bleibt der Preis. Mit 20-30 Euro pro Schlauch kosten TPU-Schläuche aus europäischer Produktion das Drei- bis Vierfache eines Butyl-Schlauchs. Doch rechnest du die längere Lebensdauer, den besseren Pannenschutz und die Performancevorteile ein, relativiert sich der Mehrpreis schnell. Für ambitionierte Fahrer und alle, die Wert auf geringes Gewicht und hohe Zuverlässigkeit legen, ist die Investition jeden Cent wert.
Zwar sind China-TPUs deutlich billiger zu haben, doch hier besteht eine große Unsicherheit, ob diese Schläuche nach europäischen Sicherheitsnormen produziert werden. Ein Schlauch ist eine sicherheitsrelevante Komponente am Fahrrad. Reißt ein Ventil in der Abfahrt ab oder platzt der Schlauch bei hoher Geschwindigkeit, kann es schnell zu extrem gefährlichen Situationen kommen. Wer also am TPU-Schlauch unbedingt 10 Euro sparen will, geht ein nicht zu unterschätzendes Risiko ein.

Fazit: Die Zukunft fährt TPU
Die Vorteile von TPU-Schläuchen sind überwältigend: drastische Gewichtsersparnis, kompaktes Packmaß, überlegener Pannenschutz, bessere Lufthaltung und reduzierter Rollwiderstand. Die Zeit des Butyl-Schlauchs läuft ab – TPU ist die Zukunft.
Wenn du noch mit Butyl fährst, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt für den Umstieg. Probiere es aus – du wirst den Unterschied vom ersten Kilometer an spüren und dich fragen, warum du nicht schon früher gewechselt hast.
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Kann ich damit ähnlichen niedrigen Luftdruck fahren, wie mit Tubeless?
Ja
Eigentlich ja. Ich fahre 32mm Reifen am Rennrad mit 3 bar.
Hi Claude,
Ich bin letztes Jahr beim Rennrad auf TPU umgestiegen. Das Gewicht und Packmaß ist wirklich unglaublich und auch der reduzierte Rollwiderstand ist finde ich spürbar.
Ich habe die Aerothan und bin mit denen bezüglich der Handhabung nicht zufrieden. Beim Pumpen muss man mit den Kunststoffventilschäften sehr vorsichtig sein sonst zieht man den Ventileinsatz aus dem Kunststoffgewinde. Das ist überhaupt nicht praxistauglich. Ich würde die deshalb nicht wieder nehmen sondern welche wo der Ventilschaft aus Metall ist. Eine Panne hatte ich bisher nicht.
Gruß Jürgen
Hi Jürgen, die neuen Aerothan haben Aluventile. Ich fahre aus anderen Gründen keine Aerothan und empfehle Eclipse mit Aluventilen. Aber ich freue ich schon auf die neuen Aeron Superlight, ebenfalls mit Aluventil.
Hallo Claude,
danke für deine Erfahrungen und Tests und das du sie hier veröffentlichst (auch was deine Meinung zu alltäglichen, Politischen und Rad – Themen bzw. Hintergrund Infos dazu angeht, bin nicht immer einig aber auch oft ähnlicher, aber so ist das halt in einer Demokratie man muss nur damit umgehen können, hat zwar nichts mit dem Thema zu tun wollte ich nur mal kund tun 🙂 ) wie sieht es den aus mit der Überhitzung von Carbonfelgen mit herkömmlicher Bremsflanke also ohne Scheibenbremse, in Punkto hohe Hitzeentwicklung und womöglichem Schlauchplatzern bei Langen Abfahrten (Alpenpässe, mir ist natürlich klar das man nicht Dauerbremsen sollte bzw. hinten und vorne gleichzeitig und im „Pulsierenden“ Modus) im Vergleich zu den Butyl Schläuchen besser,schlechter,gleich ?, konnte nichts dazu lesen, du hast natürlich keine Räder mehr mit Bremsflanken aber ich und andere (ich hoffe das ich nicht der einzige bin :] ) hast du da Infos dazu ?
Danke und Grüße
Matthias
Hi Matthias, vermutlich hätte ich das mit den Felgenbremsen anführen sollen. Weil ich lange keine mehr fahre, ist es mir durchgerutscht.
Viele TPU-Schläuche sind nicht für Felgenbremsen frei gegeben. Vermutlich würde ich keine TPUs mit solchen LRS nutzen.
Hi Claude,
mich würde interessieren, wie du TPU im Vergleich zu Latex siehst. Fahre seit Jahren Latex und bin abgesehen vom Luftverlust super zufrieden. Meine mal gelesen zu haben, dass TPU sehr hohe Umgebungs- und Asphalt-Temperaturen nicht mag womit ich z. B. null Probleme habe, aber ansonsten finde ich vor allem die Varianten mit Aluventilschaft schon echt spannend.
Danke und Grüße
Michael
Subjektiv läuft TPU genauso gut. Ich hatte leider früher immer Platten mit Latex.
Hi Claude.
Ich bin auch seit 2-3 Jahren von Butyl auf TPU umgestiegen. Ursprünglich hatte ich wegen der angeblichen Pannensicherheit mit tubeless geliebäugelt aber hatte keine Lust auf das Dichtmilchgedöns und die Berichte von schwer montierbaren tubeless Reifen haben mich dann davon abgebracht.
Ich nutze seitdem nun die TPUs von RideNow und hatte mir damals eine ganze Batterie via AliEx besorgt, einfach um günstig zu testen, ob und wie ich zurechtkomme. Und ich muss sagen, sie funktionieren sehr gut. Bislang konnten sie in puncto Pannensicherheit mühelos mit den Butyls mithalten, in Packmaß und Gewicht sind sie unbestritten überlegen. Auch eine Montage unterwegs funktionierte gut (am Defekt war ich allerdings selbst schuld – die Baustelle hätte ich besser umfahren…)
Ich würde mich sehr freuen, wenn die Preise der hiesigen Hersteller etwas günstiger würden. Dann würde ich auch zu Tubolitos etc greifen, aber die sind mir im Verhältnis noch zu teuer. Bei Bekleidung usw. versuche ich made in Europe zu kaufen, Santini oder andere sind nicht teurer als die meist in Fernost hergestellten Rapha oder anderen Hersteller. Aber bei TPUs ist die Differenz mir persönlich noch zu hoch. Aber wenn die es schaffen, TPUs für um die 10 EUR anzubieten, bin ich dabei.
Danke für Deine Tests!!!!!!!!
Mauri
Super Information das alles, vielen Dank.
Ich fahre beim Training einen leichten 38er Tubeless-Reifen (die leichte Version des Gravelking Slick, noch fast neu). Demnächst stünde das Erneuern der Dichtmilch an.
Ich würde das hier kaufen: https://www.enjoyyourbike.com/eclipse-tpu-schlauch-off-road-gravel-40-mm-ventil-94235897, gleich mit dem Flickzeug.
Ergibt es Sinn, auch die TPU-Dichtmilch zu kaufen? Und sollte ich auch die Reifen wechseln?
Dankeschön für Eure Hilfe 🙂
Hi Kai, Eclipse ist top. Dichtmilch im TPU-Schlauch nutze ich nicht.
Viele Grüße
Claude
Dann mache ich das genau so, danke 🙂
Hi Claude,
ein Argument für Tubeless ist doch die Aussage, das im Fall eines Platten die Luft nicht so schlagartig entweicht, wie bei einem Butyl Schlauch. Ich in einer Kurve nicht gleich den Abflug mache. Wie sieht das bei TPU aus?
Mag sein, aber ich habe auch schon tubeless Set-Ups gesehen, wo der Reifen schlagartig Luft verlor.
Beim Schlauch ist nach Einstich eher ein langsamerer Platten zu erwarten, wo tubeless abdichtet.
Schlagartige Platten hatte ich bisher kaum, im ganzen Fahrradleben.
Schon jemand Erfahrungen mit dem hier gemacht: Barbieri NXT Road 65 /TPU Allround?? Das ist der erste in Europa gefertigte TPU der für mich preislich interessant erscheint… Laut Roadbike soll der gut sein (Testsieger)… 🫣
Offen gestanden kannte ich die Marke bis zur Testveröffentlichung nicht und ich kenne den Test inhaltlich nicht.
Aber das Ganze wundert mich ein wenig.
Eine kleine italienische Firma hat den Schlauch selbst entwickelt und produziert in Europa? Sind diese Infos gesichert, oder gemutmaßt?
Preislich liegt er gut, aber Richtung 15 EUR entwickelt sich der Markt sowieso gerade.
Dieser Zielpreis wurde schon auf der Eurobike 2024 kolportiert.
Wie das Ding jetzt ausgerechnet bei Bike-X landet und einen Testsieg einfährt, würde mich echt interessieren.
By the way: Eclipse René Herse, Aeron, Reveloop / Conti sind alle zu empfehlen und kommen alle aus DE bzw. Europa.
Die Pannensicherheit ist immer durch die Leichtigkeit beeinflusst. Ein dickeres Material ist wesentlich pannensicherer. Bei Wettkämpfen würde ich dennoch auf die 20 + x Gramm leichten Varianten setzen.
Gibt es schon Erfahrungsberichte wie es sich mit den extra dicken TPU-Modelle verhält? Da gibt es ja z.B. die Tubolito x-Tubo oder die Pirelli Angel SmarTUBE X.
Gewichtstechnisch liegen die mit ~130 g ja auf dem Niveau von normalen Butylschläuchen, versprechen aber nochmals deutlich mehr Pannenschutz als normale TPU-Modelle und im Fall von Tubolito sogar 1 Jahr Garantie gegen Pannen.
Wäre es dann logisch, dass die bei ähnlichem Gewicht genauso rollen wie Butylschläuche oder sind die durch das Material immernoch etwas schneller?