Ich hab den Lazer Bullet den ganzen Winter virtuell bei Zwift getragen und wollte ihn jetzt auch im Real Life haben. Claudes Favorit ist seit längerem der Abus Gamechanger. Sowohl Lazer wie auch Abus behaupten die Fusion von Aerodynamik und gute Belüftung geschafft zu haben. Mit Stephan, einem Freund und erfahrenen Radrennfahrer habe ich beide Helme auf Mallorca probiert. Aerohelme: Lazer Bullet 2.0 und Abus Gamechanger.
Lazer Bullet 2.0 oder Abus Gamechanger?
Story
Gleich zur Zusammenfassung (für ungeduldige Leser)
Bilder
Von den acht geplanten Tagen konnten wir wegen der Entwicklung der Corona-Pandemie nur fünf Tage fahren. Bei der Topografie im Nordosten der Insel sind aber alle möglichen Szenarien möglich, bis hin zur Bahn in Sineu.
Lazer Bullet 2.0, der schneidet den Wind
Die Belgier haben beim Design die Nase auf jeden Fall vorn. Doch was nützt ein chicer Helm, wenn er nicht das hält, was die Werbung verspricht!
Der erste Eindruck nach dem Auspacken: Top! Die langgezogene Schale wirkt windschnittig. Innen ist der Helm mit vielen Polstern ausgestattet und die Kopfweite ist fein einstellbar, auch die Höhe lässt sich in mehreren Stufen regulieren. Einfach handzuhaben sind auch die Gurte. Eine Fahrt führte uns in den Orient. Der Weg ist wellig und es machte Spaß mit gesenktem Kopf den Schub vom Rückenwind auszunutzen. Dann kamen die Höhenmeter, da nützt die „an die Formel 1 angelehnte Venturi Cap für zusätzliche Luftbeschleunigung durch den Helm“ nichts, denn beim nicht vorhandenem Gegenwind, kann auch keine Luft zirkulieren.
Bedauerlicherweise war unsere Route durch einen Steinschlag versperrt, sodass wir vor Alaró umdrehen mussten. Den kurzen Stopp nutzen wir in einem Restaurant im Orient um bei einem Kaffee über die ersten Eindrücke mit dem Helm zu sprechen. Das Zwischenfazit war übereinstimmend: Funktion trifft Style.
Der Wind wurde auf dem Rückweg von Kilometer zu Kilometer stärker. Da zeigte sich, dass Lazer es tatsächlich geschafft hat, die Eigenschaften Aerodynamik und Belüftung zu vereinen. Hier konnte die zusätzlichen Öffnungen an der Vorderseite des Helms trotz der 25 Grad und praller Sonne geschlossen bleiben. Lazer nennt dieses Feature Airslide-System. Wer möchte, kann die Blende auch gegen eine fest geschlossene Kappe tauschen. Die aerodynamischen Werte sollen damit nochmal verbessert werden.
Clever ist das kleine rote LED-Lämpchen
Das Visier, das mit drei kleinen Magneten auf Helm befestigt wird, ist ein Hingucker. Entweder sind aber unsere Nasen zu hoch oder unsere Köpfe zu klein. Der Abstand zwischen Nasenbein und Visier ist eng. Rutscht der Helm ein Stück nach vorne, drückt das scharfkantige Visier auf die Nase. Auch das Abnehmen ist nicht so einfach, weil Fingerabdrücke als Zeugen vom falschen Anfassen bleiben. Einen Rahmen um das Visier zu machen, würde aber wiederrum das große Sichtfeld einschränken. Das ist die Krux mit Kompromissen. Wird der Sonnenschutz nicht benötigt, kann das Visier hinten am Helm mit dem Magnet befestigt werden. Auch clever ist das kleine rote LED-Lämpchen am Einstellrad. Ein richtiges Rücklicht wird damit nicht ersetzt, trotzem bringt es ein kleines bisschen Mehr an Sicherheit. Das Gewicht des Helms hat uns nicht gestört.
Den Lazer Bullet 2.0 gibt es momentan für 180,- Euro in sieben Farben und in vier Farben mit MIPS.
Ändert der Abus Gamechanger das Spiel?
Auch der mit deutscher Ingenieurskunst geformte Abus Gamechanger Helm kommt mit coolen Wörtern daher. Forced Air Cooling Technology steht dafür, dass einströmende Luft um den Kopf herum kanalisiert wird und so für ein perfektes Klima und einen kühlen Kopf sorgt. Das Multi Position Design soll die optimale Aerodynmik ermöglichen, egal wie der Kopf geneigt wird und FlowStraps sind die flatterfreien, hautfreundlichen und speziell entwickelten Gurte. Es geht auf der Website weiter mit Zoom Ace, AirPort, Multi Shell in Mold und Ponytail Kompatibilität. Letzteres beschreibt, dass Mädchen mit Zopf den Helm auch aufsetzen können. Die Beschreibung des Produkttest liest sich wie ein Marketing-Slam. Trotz der unheimlich innovativ klingenden Worte fällt mir bei Abus immer erst mal ein Fahrradschloss ein.
Ich versuche aber unvoreingenommen zu sein, als ich den Helm das erste Mal aufsetze. Er ist leicht und passte auf Anhieb auf meinen Kopf. Das kleine Rädchen ist gut erreichbar und auch mit dickeren Handschuhen kann der Helm auf den Kopfumfang eingestellt werden. Innen sieht der Helm ein bisschen wie die billigen Kinderhelme im Baumarkt aus. An Polstern spart Abus, vielleicht braucht es die auch gar nicht. Der Helm sitzt nämlich gut. Gut ist auch, dass der Gurt ohne zusätzliche Plastikteile auskommt und die Verbindungen vernäht sind.
Auf den Geraden zirkulierte die Luft dann tatsächlich sehr gut und es wurde nicht zu heiß unter der Schale.
Nicht nur im Orient tropfte der Schweiß, sondern auch in Cap Formentor und auf dem Weg zum Kloster Lluc. Der Gamechanger benötigt natürlich Gegenwind, damit der Rennradfahrer in den Genuss der Forced Air Cooling Technology kommt. Auf den Geraden zirkulierte die Luft dann tatsächlich sehr gut und es wurde nicht zu heiß unter der Schale. Abus sagt, der Helm wäre in jeder Kopfneigung gleich aerodynamisch. Auf der endlos langen Geraden von Lluc nach Alcudia meine ich, dass ein nach vorne geneigte Kopf ein paar Watt gespart hat. Das kann aber natürlich auch am wechselnden Wind gelegen haben.
Die unglaubliche Auswahl an Farben macht den Abus Gamechanger für alle interessant, denen ein perfekt abgestimmtes Outfit wichtig ist. Auf der Website finden sich satte 19 Varianten, inklusive Gold, Rosé und Signalgelb. AirPort, die Aerodynamische Brillen-Halterung mit Bügelführung, hält die Brille, wie bei jedem andere Helm auch, am Helm. Allerdings kann die Brille auch hinten eingesteckt werden. Das soll die Aerodynamik bei abgenommener Brille verbessern und sieht taff aus. Ich kennen nur keinen, der ohne Brille auf Rekordjagd geht. Abus täte überhaupt gut daran, etwas weniger mit Phantasieanglizismen Standardeigenschaften als Einzigartigkeiten dazustellen. Ohne Zoom Ace und AirPort wird der wirklich gute Helm nämlich nicht schlechter und die Formulierung Pony Kompatibilität für einen Zopf, hört sie nach Comedy an. Wer 140 Euro hinlegt, bekommt einen leichten Helm, der wie angegossen sitzt und tatsächlich einen hervorragende Belüftung mitbringt.
In Short: Lazer Bullet 2.0 oder Abus Gamechanger
Bei jedem Bericht zu dieser Art Helme gehts um den schmalen Grad zwischen Aerodynamik und Belüftung? Beim Tragekomfort nehmen sich beide Helme nichts, bei der Belüftung hat der Lazer Bullet 2.0 die Nase aber vorn. Besonders die Möglichkeit zusätzliche Lüftungsklappen zu öffnen, hat uns gut gefallen. Der Abus Gamechanger ist leichter, hat jedoch ein spartanisches Innenleben. Das Visier bzw. die Sonnenbrille beim Bullet 2.0 zum anklippen ist nicht schlecht, wenn auch kein Must-Have. Der Abus ist knapp 90 Gramm leichter, als das Gegenstück von Lazer, was uns aber nicht wirklich auffiel oder gar störte. Für Berg bei warmen Temparaturen sind beide nicht die Waffe der Wahl. In tieferen Lagen und bei Wind sind die Helme dagegen der perfekte Kopfschutz. Nach 500 Kilometern haben wir uns bei der Frage Lazer Bullet 2.0 oder Abus Gamechanger unabhängig von einander gleich entschieden. Trotz des ein wenig höheren Preises ist der Lazer Bullet 2.0 unser beider Favorit.
| Lazer Bullet 2.0 | Abus Gamechanger | |
| Kaufempfehlung | ⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐ |
| Tragekomfort | ⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐ |
| Gewicht* | ⭐⭐ | ⭐⭐⭐ |
| Aero (gefühlt) | ⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐ |
| Style-Level | ⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐ |
| Preis | ⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐ |
| * Tragekomfort Gewicht | ||
Herstellerlinks:
Abus Gamechanger
Lazer Bullet 2.0
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